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Politik, Gesellschaft & Übergänge

Corona kann nicht sprechen

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Das Virus verhandelt nicht, es ist noch nicht müde, einen Raketenantrieb hatte es auch schon. Offenbar brauchen viele Zeitgenossen eine Animation, um ihr Verhalten zu rechtfertigen. Das Klima ist ein anderer Longseller dieser Übersprungshandlung.

Von Redaktion / / medien-kritik / 29 min Lesezeit

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Von Jürgen Schmid

Um die Natur des SARS-CoV-2-Virus und seiner Unterarten zu beschreiben, greifen Virologen gern zu diesem Bild: alle COVID-19-Viren zusammen, die seit Ende 2019 Menschen befallen haben, würden mühelos in einer Getränkedose Platz finden. Vielleicht wären ganz zum Schluss, wenn das Phänomen wieder verschwindet, zwei Blechbehälter nötig. Mehr aber nicht.

Bei den Viren vom Wildtyp bis zu Omikron handelt es sich um mikroskopisch kleine Entitäten, die noch nicht einmal ein rudimentäres Nervensystem besitzen. Sie gehören zwar zur belebten Natur. Aber sie entwickeln ebensowenig einen Willen wie Vulkane oder Meteoriten.

Angesichts dieser Ausgangslage ist es bemerkenswert, welche Fähigkeiten SARS-CoV-2 plus Familie in der Politiker- und Mediensprache zugewiesen bekommt. Da sind zwar die Menschen müde, „das Virus ist es nicht“ (Jens Spahn), im Gegenteil, es „hat einen Raketenantrieb bekommen“ (so die Virologin Melanie Brinkmann), und mit diesem Düsentrieb schlägt es nach der Prognose von Bundeskanzler Olaf Scholz demnächst neue Volten, wogegen allerdings laut Scholz das Schnippchenschlagen per Impfung hilft.

„Was Corona mit der Sprache macht“ – Einsichten dazu können wir neuerdings in einem Wissenschaftsmagazin beziehungsweise einem Wälzer von mehr als 500 Seiten lesen.

Die „Badische Zeitung“ wollte schon früh daran glauben, dass sich die Sprache „coronisiert“, ja regelrecht „infiziert“ habe und unterstellte dem Virus gar, es könnte „eine Affinität zum Englischen haben“, weil es uns die neue Tugend des „Social Distancing“ beschert hat.

Kanzlerin Merkel leitete in ihrer dramatisierenden Fernsehansprache an die Nation vom 18. März 2020 („seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine [größere] Herausforderung an unser Land“) aus diesem Schlagwort sogar eine Bürgerpflicht ab: „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“

Umstandslos wurde der Begriff des „Social Distancing“

zu einer Handlungsanleitung gemacht, auch gesunde Menschen unter den Generalverdacht des „Gefährders“ zu stellen, und „zu unser aller Sicherheit“ ihre Freiheiten zu beschneiden. Vor diesem Tatbestand mutet es wie unfreiwillige Ironie an, wenn das Leibniz-Institut für Deutsche Sprache seine Sammlung pandemischer Neologismen und Wortumdeutungen unter das Motto „Wörter unter Beobachtung“ stellt – so, als gäbe es in der „Neuen Normalität“ nicht nur „Verdachtspersonen“, „die Erkrankungszeichen zeigen, die mit einer SARS-CoV-2-Infektion vereinbar sind“, sondern auch Wörter, die man unter Quarantäne stellen muss.

Allerdings hat das Virus gar nichts zu tun mit der Art, wie wir sprechen, welche Worte wir wie verwenden, welche Begriffe die Gesellschaft prägen. Für die Kommunikation und ihre Struktur ist der Mensch schon selbst verantwortlich, jener Homo sapiens, den nach Cicero „ratio et oratio“, Vernunft und Sprachfähigkeit, vom Tier wie vom Virus unterscheidet. Politik und Medien malen uns trotzdem „Corona“ als handelnden Akteur aus – um dieses personalisierte Virus dann für alles mögliche Menschengemachte in Haftung zu nehmen. Corona droht, Corona verteilt Reichtum um, Corona verhindert. Die Reihe der Fundstücke ist lang – hier nur eine kleine Auswahl:

„Corona droht Kinderarmut zu verschärfen“ (ZDF).

„Corona macht Superreiche noch reicher“ (Ärztezeitung).

„Corona macht mehr Kinder und Jugendliche mediensüchtig“ (WDR).

Folgt man dieser Logik, verunmöglichen keineswegs die Politik und deren Eindämmungs-Maßnahmen unser gewohntes Leben, sondern C.:

„Corona macht’s den Chören wieder schwer“ (Siegener Zeitung).

„Corona verhindert den Oberliga-Abstiegskampf“ (Sportbuzzer).

„Corona verhindert Weihnachtsdorf“ (Schwarzwälder Bote).

Meist ist es destruktiv, was der Handlungsmacht von „Corona“ zugeschrieben wird. Es gibt aber (seltene) Wohltaten zu vermelden, die das Virus an die Menschen verteilt als Ausgleich dafür, dass es die weihnachtliche Bescherung verdorben hat. Beispielsweise: „Corona macht kreativ“.

Aus politischer und medialer Sicht ergibt es natürlich Sinn, Corona-Viren für so ziemlich alle negativen gesellschaftlichen Entwicklungen verantwortlich zu machen, vom Lockdown bis zu weiteren Grundrechtseinschränkungen, die zwar ausschließlich menschengemacht sind – allerdings von Menschen, die nur ungern die Verantwortung dafür auf sich laden.

Speziell im phobischen Deutschland gilt: Entwarnung verboten. Die Bevölkerung darf nicht unnötig beruhigt werden. Jüngste Variante: „Omikron-Welle: Belastung auf Normalstationen der Krankenhäuser ‚steigert sich deutlich’“, obwohl die Kausalität mit einer Überschrift „Milde Omikron-Variante entlastet die Intensivstationen“ erst auf die Füße gestellt würde. Die „Welt» meldet dann auch genau diese Botschaft – später im Lauftext: „Zwar nimmt die Belastung der Intensivstation ab.“ Abnehmende Gefahrenlagen aber eignen sich nicht für Titelzeilen, die jeder lesen soll. Ins Auge Fallendes muss Drama sein.

Hier regiert nur eine einzige Formel: „Belastung“. Im ZDF „hohe Belastung“, auf n-TV und im Bayerischen Rundfunk „Omikron belastet Normalstationen“.

Kognitive Dissonanz zwischen Demut und Selbstüberschätzung

Allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz regieren Politiker gern im und mit dem Ausnahmezustand. Der hilft dabei, die Opposition auf Distanz zu halten (political distancing), vieles ganz nebenbei durchzusetzen, was schon immer auf dem Plan stand (etwa verstärkte Kontrolle sozialer Netzwerke); vor allem hilft ein Überthema, unangenehme andere Tagesordnungspunkte ganz am Rand der Agenda zu halten – etwa die Inflation.

Wann es wieder zurückgehen darf in die Normalität, „das entscheidet nicht die Politik, sondern das Virus“, meinte folgerichtig Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer 2021. Die Politik inszeniert sich gerne als getrieben von Naturgewalten beziehungsweise einem Wesen namens die Wissenschaft. Diese Taktik lässt sich auch auf einem anderen Gebiet beobachten, in dem es ebenfalls um kollektive Mobilisierung geht. Etwa wenn der „Focus» einen Meteorologen sagen lässt, „wie wir das Klimarennen noch gewinnen können“.

Bemerkenswert erscheint, dass im Klima-Kampf ebenso wie im „Corona-Krieg“ zusammen mit kriegerischen Metaphern agonale Bilder dominieren – was beim medialen Virus-Betrachten der andauernde Inzidenz-„Rekord“ ist, versinnbildlicht sich bei den apokalyptischen Wissenschaftlern zum Wettlauf.

Wie aber passen demütige verbale Verbeugungen vor der Macht der Natur (Viren, Wetter) zusammen mit dem Machbarkeitsanspruch, die Willkür der Naturkräfte unter den Willen des Menschen beugen zu können? Ein Spannungsfeld tut sich auf zwischen Demutsgestus und auftrumpfendem Machtanspruch inklusive aggressiver Beherrschbarkeitsrhetorik, wie sie Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung im Bundestag am 29. Oktober 2020 vorführte:

„Nee, Virus, hast du denn gar nichts aus der Evolution gelernt? Das haben wir Menschen ja schon mehrfach gezeigt, dass wir verdammt gut darin sind, uns in schwierigen Situationen anzupassen.“

Die Kanzlerin griff auf diese frivole Anmaßung der Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim zurück, um den von ihr ins Werk gesetzten „Mini-Lockdown“ (O-Ton Merkel) zu rechtfertigen, angekündigt als vierwöchiger „Wellenbrecher“, der sich zum Siebenmonatskind auswuchs.

Boulevardisierung als politisch-medialer Populismus

Zu den beliebtesten Tricks aus der journalistischen Zauberkiste gehört die Wendung „Jetzt spricht …“. Zurzeit spricht Heidi Klum über ihre piepsige Stimme, Djokovic-Trainer Marian Vajda über das australische Einreiseverbot für seinen Schützling und ein Bielefelder Architekt über einen Neubau, der massiv in der Kritik steht.

Aber das sind in der Tat piepsige Nebengeräusche in einer Kulisse, die von einem Lautsprecher dominiert wird: Seit zwei Jahren spricht eigentlich nur noch Corona. Und zwar als Handpuppe von Leuten, die ihre Botschaft nicht mit eigener Stimme überbringen wollen, egal ob piepsig oder nicht.

Aggressive Personalisierung der Berichterstattung ist genuin ein Stilmittel des Boulevards. Die Berliner Kommunikationswissenschaftlerin Margreth Lünenborg bezeichnet als „Boulevardisierung“ „jene inhaltlichen, ästhetischen und formalen Gestaltungsmerkmale, mit denen Journalismus auf populäre Weise ein Massenpublikum adressiert.“

Wo das Populäre weilt, ist der Populismus nicht weit entfernt. Und Populisten, so definiert es die Münchner Politologin Astrid Séville, versuchen „eine politische ‚Spaltung’, einen Antagonismus im politischen Raum zu etablieren: wir gegen sie“. Was also sollte die Corona-Erzählung des Mainstream anderes sein als ein populistisches Manöver? Wer dem Virus zuhört, so geht diese Erzählung, der wird seine Drohungen richtig verstehen und entsprechend handeln. Wer das Virus nicht in diesem Sinne versteht, gehört nicht mehr zu diesem „Wir“, wird von den Virus-Verstehern bekämpft als „Schwurbler“, „Leugner“, „Verschwörungstheoretiker“, gerne auch als „Aluhut“, obwohl gerade die verstehend verängstigte Wir-Gruppe dazu neigt, sich mit Abwehrzauber aller Art zu wappnen – etwa mit Masken für Solo-Autofahrer oder mit praktisch nutzlosen, aber beeindruckenden Gesichtsschildern.

Ein weiteres zentrales Charakteristikum des populistischen Boulevardjournalismus: Eine „leicht verständliche Sprache“, so Lünenborg, einhergehend mit „extremer Verknappung und Zuspitzung“. Was könnte zugespitzter sein, als das menschengemachte hyperkomplexe Maßnahmenchaos im Land einem kleinen unsichtbaren Virus-Erreger und dessen Willen anzulasten? Wenn das Virus so menschliche Züge zeigt wie Du und Ich, werden „veralltäglichte Identifikationsräume geschaffen“. „Durch Muster der Personalisierung, Intimisierung und Privatisierung werden abstrakte, komplexe Zusammenhänge auf einzelne Personen oder personalisierte Konflikte reduziert.“ Oder eben auf die Handlungsmacht eines Virus.

Man ergänze: „Stilmittel der Dramatisierung, Emotionalisierung und Übertreibung“ – und fertig ist sie, die „manipulative Macht von Boulevardmedien“, wie sie in der Kommunikationswissenschaft beschrieben wird.

Auf dieser Klaviatur spielt natürlich auch jeder Politiker, der etwas darstellen möchte. Womit die Erfolgsrezepte medialer und politischer Sphären Hand in Hand gehen. Es kommt dem Ego eines Alpha-Männchens wie Markus Söder entgegen, wenn in der Berichterstattung die gesamte bayerische Staatsregierung samt Landtag hinter seiner Person verschwindet – unsichtbar wird hinter einem Ministerpräsidenten, der das Virus eigenhändig niederringt.

In der Corona-Krise verkündete der Regierungschef seine stets einsam wirkenden Entscheidungen wie ein absoluter Herrscher. „Söder: Freiheit für Geimpfte“. (Sollten sich vollmundige Ankündigungen als unhaltbar erweisen, schauen dieselben Medien mit verzeihender Milde darüber hinweg.)

Mit jeder Verhinderung gesellschaftlichen Lebens, die Tastaturbenutzer in diversen Redaktionen einem personalisierten Corona-Virus als Akteur zuschreiben, schreiten Boulevardisierung und Infantilisierung der Sprache des politisch-medialen Komplexes weiter voran.

Dem Virus wird ein Willen angedichtet, ihm wird mit sprachlichen Kunstgriffen ein Eigenleben eingehaucht. Corona kann in Deutschlands Parlamenten und Meinungs­vervielfältigungsanstalten entscheiden und drohen. Das Virus erfährt eine mediale Überhöhung zur Allmacht, dessen starker Arm alle oder zumindest ziemlich viele Räder im Land stillstehen lassen kann.

Offenkundig liegt eine unwiderstehliche Verlockung darin, den Drachen so überlebensgroß zu zeichnen, dass seine erfolgreiche Erlegung letztlich nichts anderes sein kann als eine heroische Tat politischer Siegfriede. Auch dann, wenn das Virus, nach all dem Drohen, Verhindern, Erzwingen, Voltenschlagen und dem Herumknattern mit Düsenantrieb am Ende doch müde wird und sich freiwillig entscheidet, zahm (sprich: endemisch) zu werden.

Jürgen Schmid ist Historiker und freier Autor. Er lebt in München.

16 Kommentare
  • P.+Groepper
    1. Februar, 2022

    Corona bzw. das Virus kann vielleicht nicht sprechen. Aber es hat dennoch Charakter. Sogar einen schlechten. In einem halbseitigen Presse-Beitrag von Michael Kretschmer, dem Ministerpräsidenten von Sachsen, las ich letztes oder vorletztes Jahr: «Nicht die Massnahmen gegen das Virus sind ungerecht, das Virus selber ist unfair und nicht gerecht».

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  • Andreas Rochow
    1. Februar, 2022

    Es etabliert sich in hohem Tempo die verdummte Sprache der globalistischen «Alternativlosigkeiten». Die Corona-Weltkampagne hat gezeigt, wie das geht. «Gesund» gibt es gar nicht mehr. Als «krank» gelten auch völlig symptomfreie Menschen, wenn der dafür untaugliche PCR-Test «postiv» anschlägt. «Solidarität» ist das Framing, das auf moralischen Impfzwang zielt. Und zu Risiken und Nebenwirkungen braucht man den Arzt oder Apotheker nicht mehr fragen; sie sind ausgeschlossen. Man kann sich aber «freitesten» und sich ein «Genesenen-Zertifikat» ausstellen lassen. Das tröstet auch Menschen, die es überlebt haben.

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  • Manfred Müller
    1. Februar, 2022

    Vielen Dank für diese Sammlung. Stilblüten hätte man das früher genannt. Heute geht’s, so scheint es, als Journalismus durch. Man sieht, das Studium der Diskussionswissenschaften macht viele weder schlau noch kritisch.

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    • P. Groepper
      1. Februar, 2022

      Stilblüten sind ungewollt komisch und in ihrer Ungeschicklichkeit bisweilen sogar köstlich («Dieser Weg ist kein Weg, wer´s dennoch tut, zahlt 10 Mark Strafe und fließt in die Gemeindekasse»)
      Die Formulierungskünste um «Corona» sind widerliches Framing in voller Absicht.

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  • Albert Schultheis
    1. Februar, 2022

    Sehr guter Beitrag, werter Herr Schmid, meine Frau und ich leben seit einiger Zeit auf der kleinen Kanareninsel La Palma, die in vielerlei Hinsicht immer noch so etwas wie einen eigenständigen Mikrokosmos darstellt. Corona, ja das gibt es, die Inzidenzen lagen vor kurzem noch bei 2.500, das General-Hospital war aber leer und die Kneipen waren voll – denn eigentlich waren die Leute viel unmittelbarer und elementarer betroffen von dem Vulkan am Cabeza de Vaca, der noch immer keinen Namen hat. Die Ängste und Sorgen der Bewohner waren real, beobachtbar und direkt erfahrbar. Gerade sind wir wieder einmal in unsere deutsche Stadt zurückgekehrt und waren erschüttert, wie sehr die Menschen hier verängstigt sind vor einer Krankheit, die zuallererst und überwiegend für die meisten eine mediale Existenz pflegt. Ja, man hat gehört von einem der schwer erkrankt ist, einem der Long Covid hat und von einer, die gestorben ist, mitunter sogar aus der eigenen Familie. Aber das alles hatte offenbar zur Folge, dass viele Menschen tief bedrückt sind, manche sogar richtig seelisch gebeugt und krank an Corona, obwohl sie doch eigentlich gesund sind. Mindestens genauso erschreckend fanden wir unseren gestrigen Abend in der Innenstadt: gespenstisch, bedrohlich, feindselig. Wir wollten uns den örtlichen «Spaziergängern» anschließen, aber wir fanden sie nicht. Alle Plätze der Stadt, vor dem Rathaus, in den Fußgängerzonen, auf den Festplätzen waren gespenstisch leer, mehrere Mannschaftswagen der Polizei standen jeweils auf den Plätzen oder fuhren teilweise mit Martinshorn durch die Straßen. Polizisten in voller Nahkampfausrüstung. Ich wollte schon einen der bewaffneten Kollegen fragen, wo denn derzeit die Freunde von den Queerdenkern zu finden seien, aber meine Frau hielt mich verängstigt zurück. Es schien uns als seien in der Innenstadt nur Mitbürger mit Migrationshintergrund unterwegs – aber für diese interessierte sich die uniformierte Schutzmacht nicht im Geringsten. Nach einem längeren sehr verstörenden «Spaziergang» fuhren wir wieder heim. Unsere Stadt Wiesbaden ist offenbar nicht mehr unsere Heimat.

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    • Albert Schultheis
      2. Februar, 2022

      Es gibt in Spanien bekanntlich die Biersorte «Corona», die Krone der Biere also offenbar – wir haben des öfteren damit angestoßen. Comic Relief muss sein, gerade in lausigen Zeiten der Pest und Cholera. In Rheinhessen gab es früher den Begriff «die ganze Corona», in der Bedeutung von «die ganze Mischpoke», «den ganzen Kladderadatsch», er umfasste somit sowohl Menschen, Protagonisten, Mitwirkende oder Mittäter, als auch die Gegenstände, die diese benutzen und mit sich tragen also ihre Werkzeuge und Utensilien. Warum also hauen wir nicht endlich diese ganze Corona in die Tonne?

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      • Bettina
        20. April, 2022

        es gab einmal ein Corona-Weißbrot in Ösiland – das wurde schnurstracks in Weißbrotkranz umbenannt,
        Anfang 2020 gab es auf einmal einen Rückgang beim Absatz des Corona-Bieres

        einfach nur krank

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  • A. Iehsenhain
    1. Februar, 2022

    Das trübe Wässrig-Blau auf dem Propaganda-Plakat mit Olaf Scholz gibt ja immerhin Anlass zur Hoffnung, dass er und seinesgleichen insgeheim doch schon abgesoffen sind und die frohe Botschaft ans Volk einfach nur zum Eigenschutz zurückgehalten wird. Bei eingehenderer Betrachtung von des Kanzlers Profil kann ich zudem nicht anders, denn mehr an jene verlässlichen pelzigen Labormitarbeiter zu denken, deren direkte Verwandte in der Zivilisation zuweilen ihre Schnäuzchen aus dem Guckloch eines Kanaldeckels in die frische Luft strecken, statt an „Versuchskaninchen“. Beinahe das interessanteste zum Thema „Coronaviridae“ findet sich kompakt im guten alten Pschyrembel wieder, allerdings in neueren Ausgaben – ich besitze in diesem Fall eine dicke Schwarte aus dem Jahr 2002, sowie ein älteres Exemplar aus dem Jahre 1964, wo „Corona“ noch „Korona“ geschrieben wurde, die „C“-Viren noch kein Thema waren und sich das „K-Orona“ aufs Herz beschränkte. 2002 sind die Übertragungswege der humanpathogenen C-Viren als Schmierinfektionen beschrieben und der Verlauf einer Erkrankung als meist milde Atemwegsbeschwerden, seltener solche im Magen/Darmtrakt. „Arteriviren“ (Stichwort Gefäßschaden durch Spikeportein) per Aerosole wurden damals rein auf die Übertragung von Tier zu Tier beschränkt. Heutiger Tenor – die Übertragung von Tier zu Mensch ist wohl grundsätzlich nicht auszuschließen, aber in der Natur weitaus seltener möglich als in Scholz‘ alter Heimat. Ebenfalls interessant – Youtube-Laubbläser wie Nguyen Kim: „Nee, Virus, hast du denn gar nichts aus der Evolution gelernt? Das haben wir Menschen ja schon mehrfach gezeigt, dass wir verdammt gut darin sind, uns in schwierigen Situationen anzupassen.“ Nur um später zu röhren: „Impfpflicht ist OK!“ Es gibt allerdings Publikationen, die sagen, dass exzessives Impfen auch die nützlichen Viren (als Bestandteil des menschlichen Mikrobioms) plattmacht und sich als Mäzen für viele andere Leiden erweist. Deswegen reiht sich für mich die woke Chemikerin in den Laberator des gediegenen Paradoxschwatzens ein, indem sie einmal die menschliche Anpassungsfähigkeit lobt, aber dann letztendlich doch zur Nachhilfe bei Dr. Nadelspitz und Kollegen aufruft, möglichst mit der Gerte. Vielleicht hat sie den letzten Teil beim „Nee,Virus“-Traktat auch einfach vergessen anzuhängen. Sonst könnte man die spätere „Okaypflicht“ noch missverstehen, weil Ehemann Matthias Leiendecker bei Merck die Vehikel für die Reise ins Ich an BioNTech und Co. liefert. Egal – Spike Tyson wird’s freuen, wenn er gegen die Gefäßwände boxen darf. Mein Fazit: Corona- und Klima-Neusprech sind allein deswegen gefährlich, weil man als Normalsterblicher bei zu häufigem lingualen Gebrauch Gefahr läuft, sich genervt die Zunge abzubeißen…

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  • Mimus Polyglottos
    1. Februar, 2022

    Zwiespältig, dieser Artikel. Einerseits eine überzeugende Analyse der Wirkmechanismen sprachlicher Arrangements, andererseits eine Überdramatisierung (wie sieht’s mit Selbstanwendung aus?). Unbelebte Dinge mit menschlichen Eigenschaften auszustatten, ist per se kein Werkzeug finsterer Manipulationsfanatiker, sondern erleichtert die Kommunikation: Der Regen hat mir das Wochenende verdorben, die Kälte beißt meine Ohren, die Natur möchte kein Vakuum, die Kälte kommt durchs geöffnete Fenster usw.
    Ach ja, und die Argumentationsvolte, die ich mich enthalte zu attribuieren, hab’ ich auch bemerkt. „Omikron-Welle: Belastung auf Normalstationen der Krankenhäuser ‚steigert sich deutlich’“ und „Zwar nimmt die Belastung der Intensivstation ab.“ sind nun mal kein Widerspruch und, auch für Ihren Artikel gilt wohl als so eine Art Naturgesetz: «Ins Auge Fallendes muss Drama sein.». qed

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    • Albert Schultheis
      2. Februar, 2022

      Richtig, lieber Vielgaumiger, aber der Animismus hilft ungemein bei der sprachlichen Erzeugung von Panik und Angst!

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      • Mimus Polyglottos
        4. Februar, 2022

        das kann man noch differenzierter sehen: Animismus (tun wir mal so, als wäre das der Begriff) ist eine Rationalitätsform der frühen Kindheit. Sagt Piaget. Und sie ist neutral in ihre Wirkung, d.h. sie kann Angst aber auch Entspannung bewirken.

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  • Thomas
    3. Februar, 2022

    Wenn Uhren falsch gehen

    Dem Virus wird ein Willen angedichtet, ihm wird mit sprachlichen Kunstgriffen ein Eigenleben eingehaucht. Corona kann in Deutschlands Parlamenten und Meinungs­vervielfältigungsanstalten entscheiden und drohen. Das Virus erfährt eine mediale Überhöhung zur Allmacht, dessen starker Arm alle oder zumindest ziemlich viele Räder im Land stillstehen lassen kann.

    Viren haben kurze Beine.

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    • Rudi
      3. Februar, 2022

      Zitat:»Das Virus erfährt eine mediale Überhöhung zur Allmacht, dessen starker Arm alle oder zumindest ziemlich viele Räder im Land stillstehen lassen kann.»

      Mir scheint das Virus wird wie in der Antike (Griechen, Römer) zu einer Gottheit oder wenigsten als Teil der «Naturgöttin» erklärt. Oder als Teil einer «zurückschlagenden Natur».

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      • Thomas
        5. Februar, 2022

        Gesellschaftsphysik

        – Mir scheint das Virus wird wie in der Antike (Griechen, Römer) zu einer Gottheit oder wenigsten als Teil der “Naturgöttin” erklärt. Oder als Teil einer “zurückschlagenden Natur”.

        Das Reich der Fabeln und Götter ist mir in dieser Sache zu weit entfernt. In den Virus-Debatten geht es schließlich darum, wie man mit etwas, was die Menschen mit bloßem Auge nicht sehen können, Druck erzeugt. Daher scheint es mir, daß es quasi um Gesellschaftsphysik geht. Zumindest eher um Physik als um Theologie. Die Frage ist, wieso sich die Menschen im Lande, die Machenschaften roter, grüner und dunkelroter Büßer und Geißler so lange und so lammfromm haben gefallen lassen. Ich empfehle hierzu das 2018 veröffentlichte Buch „Die Wiedergutmacher“ von Raymond Unger.

        Mit freundlichen Grüßen
        Thomas

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  • Rudi
    3. Februar, 2022

    Danke für den guten Artikel. Nur eine kleine Korrektur zur Natur der Viren.

    Zitat:»Bei den Viren vom Wildtyp bis zu Omikron handelt es sich um mikroskopisch kleine Entitäten, die noch nicht einmal ein rudimentäres Nervensystem besitzen. Sie gehören zwar zur belebten Natur.»

    Viren selber kann man nicht mit einem Lichtmikroskop sondern nur mit einem Elektronenmikroskop erkennen, weil sie kleiner als Bakterien sind. Auch sind sie eher im Grenzbereich von Lebewesen und toter Materie angesiedelt. Sie brauchen Zellen von anderen Lebewesen wie etwa Menschen. Bakterien kann man auch auf Fleischbrühe züchten.

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    • Bettina
      20. April, 2022

      nope – Viren sind noch niemals in einem Mikroskop gesehen worden, das verwesende Gewebe, das als Bild des Virus verkauft wird, sieht immer so aus, egal, ob man dort jetzt RNA-Sequenzen des Virus gefunden hat oder nicht

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Original: Corona kann nicht sprechen

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