– Publico –
Politik, Gesellschaft & Übergänge

Die Talsohle der Blödheit

Original post is here eklausmeier.goip.de/wendt/2020/12-die-talsohle-der-bloedheit.


Der Deutschlandfunk hat einen langen Weg zum woken Haltungsmedium hinter sich. Mit seinen neuesten literaturkritischen Ergüssen erreicht er seinen intellektuellen Tiefpunkt. Der Sender ist nicht mehr zu retten

Von Alexander Wendt / / politik-gesellschaft / 63 min Lesezeit

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Tief ist der Brunnen der Vergangenheit, vieles liegt dort unten, um nie wieder ans Licht zu kommen. Unter anderem auch der Deutschlandfunk, der einmal ein Sender gewesen war, in dem Redakteure sachkundig und sogar mit Scharfsinn über Literatur sprechen konnten. Im Archiv wird sich der eine oder andere Beleg dafür finden.

Mitarbeiter der ARD-Anstalt litten damals unter der beschränkten Sicht von Literaturkritikern, die noch nichts von intersektionaler Diskriminierung und dem politisch-poststrukturellen Deutungsgebot für alle Texte wussten. Kurzum, sie lebten und schliefen noch hinter den sieben Bergen, wo Proust und Kafka einander gute Nacht sagten, ganz anders als die erweckten und erwachten, also woken Literatursachverhaltsermittler, die natürlich wissen, wie vorvorgestrig das Verfahren ist, Literatur als Literatur zu lesen.

Seit einiger Zeit gibt es nicht nur beim Deutschlandfunk die Praxis, Bücher aus der Zeit vor diesem Erwachen noch einmal ganz neu und intersektional durchzukämmen und gegen die Autoren einen Indizienprozess anzustrengen, in dem Ermittlung, Anklage und Urteil praktischerweise zusammenfallen. So praktizierte es die Literaturkritikerin Katharina Döbler, als sie sich für den Sender kürzlich Thomas Manns „Buddenbrooks“ vornahm. Wenn Frau Döbler und Mann zusammenstoßen, dann klingt das so:

„’Buddenbrooks’ war beim Wiederlesen ein viel schlichterer Roman, als ich ihn in Erinnerung hatte. Natürlich gibt es großartige Passagen darin. Aber es ist kein Buch, das es verdient hat, immer noch an der Spitze des deutschen Literaturkanons zu stehen. Es repräsentiert vielmehr eine sehr eingeschränkte männlich-bürgerliche Sichtweise auf die Gesellschaft.“

Ganz neu ist das Verfahren nun auch wieder nicht. In der DDR warfen die Hochschulen tonnenweise Literaturtheoretiker aus, die bei Rilke, Kafka, Kraus, Proust, Flaubert, Wilde und auch Mann feststellten, es gebe in deren Werk durchaus die eine oder andere gelungene Stelle, aber alles in allem käme der Autor nie über seine beschränkte bürgerliche Sichtweise hinaus, statt seinen Lesern den Ausweg zum wissenschaftlichen Sozialismus zu weisen, wie er es bei Nichtbeschränkung zwingend hätte tun müssen. Dass diese angeblich so hochgebildeten Leute einen Determinismus nicht begriffen, den in der DDR jedes Schulkind kannte – was hätte die intellektuellen Grenzen dieser Schriftsteller besser beweisen können?

Zur Literatur unterhielten diese Beurteilungsschreiber ein ähnliches Verhältnis wie Trichinenbeschauer zur Kochkunst. Grundsätzlich gilt das noch immer; allerdings besteht das ungeschriebene Ruhmesblatt einer Katharina Döbler darin, die beschränkte bürgerliche zur beschränkten männlich-bürgerlichen Sichtweise weiterentwickelt zu haben. Wer jetzt fragt, welche Sichtweise ein männlicher bürgerlicher Autor eigentlich sonst einnehmen sollte, und ob Katharina Döbler einen Thomas Mann, hätte er um 1900 aus der unbeschränkten Sicht einer lesbischen Hererofrau geschrieben, dann nicht wegen kultureller Aneignung erst Recht zausen würde – wer so fragt, der lebt noch hinter der limitierenden Bergkette und geistig in Zeiten, als dieser Autor unbehelligt den Nobelpreis einsacken konnte.

Beschränkt waren früher alle. Selbst Shakespeares Sichtweise war beschränkt. Wer immer Shakespeare war – vermutlich handelte es sich um einen männlichen Engländer aus der Zeit von Elisabeth I – , er litt jedenfalls wahlweise unter bürgerlicher Begrenzung oder unter adliger, falls doch der Earl of Oxford hinter dem_ Nome de Plume_ stecken sollte, und über die Geierinnenperspektive einer Frau vom Deutschlandfunk verfügte er schon gar nicht.

Aus richtiger & wichtiger Sicht werden im Deutschlandfunk nicht nur Männer wiedergelesen, sondern auch Frauen, beispielsweise Hannah Arendt. Der Sender wies in einem Beitrag kürzlich Rassismus in Arendts Hauptwerk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ nach; sie spreche dort zu gut über die Kolonialherrschaft in Afrika und übernehme „weitgehend die Sichtweise der europäischen Eroberer“. Weswegen der Deutschlandfunk die Forderung erhebt: „Arendt nicht aus der Verantwortung entlassen“.

Stattdessen müsse man und frau sich jetzt verstärkt mit den „blinden Flecken“ der Philosophin beschäftigen. Wobei von künftigen Gegenlesern und Anklägern noch zu klären sein wird, ob in der Formulierung „blinde Flecken“ nicht der Ableismus sein hässliches Haupt erhebt.

Wer nun glaubt, damit wäre der stolz ausgekrähte Gesinnungskitsch ans Ende jeder denkbaren Skala gelangt, der kennt den Deutschlandfunk schlecht. Mann und Arendt könnten sich ja noch darauf hinausreden, dass sie im dumpfen Damalsland schrieben. Aber wie verhält es sich mit Gegenwartsautoren, die vor dem DLF-Spezialgericht landen? Das geschah jetzt mit Monika Maron und ihrer Erzählung „Bonnie Propeller“, dem ersten Buch, das in ihrem neuen Verlag Hoffmann und Campe herauskam. Gutachterin Wiebke Porombka setzt für die DLF-Hörer schon einmal den richtigen Rahmen:

„Die wegen neurechter Positionen bei ihrem ehemaligen Verlag vor die Tür gesetzte Schriftstellerin Monika Maron hat nun bei Hoffmann und Campe eine Erzählung veröffentlicht.“ Und informiert: „‚Bonnie Propeller’ kann sehr verschieden gedeutet werden.“
Aber erst einmal geht es bei Porombka um die Autorin selbst, gewissermaßen zur Feststellung der Personalien:

„Über Monika Maron wurde in diesem Herbst kontrovers diskutiert: Sowohl über ihre Nähe zu neurechten Positionen, ihre Veröffentlichung in der umstrittenen Exil-Reihe der Dresdener Buchhändlerin Susanne Dagen und die Entscheidung des S. Fischer Verlags, nach rund vier Jahrzehnten die Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin aufzukündigen. Ebenso wurde über die Meldung diskutiert, dass Maron – anders als von einigen Kritikern gemutmaßt – nicht lange ohne Verlag blieb, sondern rasch bei Hoffmann und Campe unter Vertrag genommen wurde. Eine Entscheidung, die nicht zuletzt deshalb von einem Missklang begleitet wurde, weil die Stimme des Hoffmann-und-Campe-Verlegers Tim Jung fehlte, der seine Entscheidung selbstredend hätte begründen und vertreten müssen. Verlegerisches Format sieht anders aus.“

Tatsächlich? Tim Jung sagte – in dutzenden Quellen gut zu finden – zu Marons Wechsel:

„Monika Maron ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinnen der Gegenwart, die mit ihrem Schaffen dem gesellschaftlichen Diskurs, der für eine lebendige Demokratie unabdingbar ist, immer wieder wichtige Impulse gibt.“

Offenbar war es nicht ganz das, was die Deutschlandfunkmitarbeiterin von ihm erwartet hatte, sie schwindelt also dreist, seine Stimme würde fehlen, und folgert aus ihren alternativen Fakten einen „Missklang“. Offenbar geht es ihr gegen den Strich, dass Maron zu einem renommierten Verlag wechselte, obwohl sich viele Feuilletonmitarbeiter alle Mühe gegeben hatten, ihr das Schildchen ’neurechts’ anzukleben. Ja, liest das denn bei Hoffmann und Campe in Hamburg niemand?

In der Pressemeldung zu Maron hatte Hoffman und Campe die Schriftstellerin zitiert, die sagte, sie freue sich, jetzt zu dem Verlag Heinrich Heines zu kommen, denn der sei ihre literarische Jugendliebe gewesen. Porombka macht daraus: „Eine andere Komponente des Missklangs: In der Pressemeldung zum Verlagswechsel wurde ausgerechnet Bezug auf den jüdische Exilanten Heinrich Heine genommen, einer der großen historischen Namen von Hoffmann und Campe.“ Tatsächlich: Da bezieht sich also jemand, der zu Hoffman und Campe geht, _ausgerechnet _auf den bekanntesten Autor dieses Verlags. Worin die Deutschlandfunk-Rezensentin einen Missklang erkennt, verrät sie nicht direkt, bimmelt aber penetrant mit dem Adjektiv „jüdisch“ herum, als hätte sie Maron bei einer unstatthaften kulturellen Aneignung erwischt. Wenn Porombka unbedingt darauf besteht, sollte sie allerdings auch mitteilen, dass Maron erstens polnisch-jüdische Vorfahren hat, Heine zweitens nicht ins Exil nach Paris ging, weil er aus einer jüdischen Familie stammte, und Maron sich drittens weder mit Heine noch dessen Exilantenstatus identifiziert, sondern offenbar einfach den Autor mag.

Ganz kurz müssen an dieser Stelle die Umstände von Marons Verlagswechsel erwähnt werden. Begründet hatte S. Fischer den Hinauswurf der Autorin nach fast 40 Jahren mit einer Argumentation, die erhebliche Logik- und Datierungsfehler enthielt. Schuld sollte ein Bändchen mit älteren essayistischen Texten sein, die Maron – mit Zustimmung von Fischer – im Frühjahr in der Edition des Dresdner Buchhauses Loschwitz herausbrachte.

Dann hieß es aus Frankfurt, nicht daran störe man sich – sondern an dem Umstand, dass dieser Band von Antaios vertrieben werde, einem Unternehmen, das Götz Kubitschek leitet, dessen Institut für Staatspolitik wiederum der Verfassungsschutz beobachtet. Bei Antaios handelt es sich ganz überwiegend um einen Buchvertrieb, erhältlich sind dort auch andere Werke aus dem Haus Fischer, etwa die Kafka-Biografie von Reiner Stach, außerdem eine Menge anderer Publikationen, etwa „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen“ von Alice Hasters.

Marons Essayband erschien im März, den Bruch mit der Autorin vollzog der Fischer-Verlag aber erst im Herbst – nachdem er sogar einen Maron-Essayband zu deren 80. Geburtstag für 2021 angekündigt hatte. Offenbar gab es bei Fischer tatsächlich den Plan, die Autorin zu entfernen, weil sich aufrechte Verlagsmitarbeiter über Marons Kritik an der Migrationspolitik aufregten („neurechts“); vorher wollte das Holtzbrinck-Unternehmen aber noch ein bisschen Umsatz mit ihren Texten machen. Es sollte nur keine neuen Buchverträge mehr mit ihr geben. Dann ging die Trennung doch schneller, weil Maron im Sommer eine ziemlich spontan entstandene Erzählung über ihre Hündin Bonnie Propeller anbot, die der Verlag ungelesen ablehnte mit dem begleitenden Kommentar, Maron sei „politisch unberechenbar“, deshalb müsse jetzt Schluss sein. Ihre Hunde-Erzählung hatte sie also vor dem Bruch mit Fischer verfasst, nicht danach.

Für die Deutschlandfunk-Rezensentin gibt es allerdings kein unpolitisches Maron-Werk, auch, wenn es sich um 50 Seiten über eine schwarze Hündin handelt, ein neues Tier, nachdem Marons alter Begleiter Momo verstorben ist. Die hässliche und übergewichtige Bonnie Propeller gefällt Maron erst überhaupt nicht, dann schließt sie das Tier doch ins Herz. Darin besteht schon die ganze Geschichte. Aber nicht für Wiebke Porombka, die Marons Erzählung auseinandernimmt wie ein DDR-Grenzer einen Westwagen, um ein Schmuggelversteck für verbotene Dinge nachzuweisen. Denn, so die Rezensentin, es gebe „verschiedene Deutungen dieser Erzählung“. Um draufloszudeuteln:

„Möglich wäre etwa: Die Erzählerin, alter Ego der Autorin, bekennt sich zu einer Art innerem Exil. Den Hund nämlich, so heißt es, brauche sie vor allem, um jemanden zum Reden zu haben.“ Worin das innere Exil einer Autorin bestehen soll, die höchst präsent und streitlustig ist, kann sie nicht weiter vertiefen, denn gleich geht es zu Verdacht Nummer zwei:

„Oder aber, nähme man „Bonnie Propeller“ als Parabel, wäre auch folgende Lesart möglich: Bei dem struppigen, abgelehnten Wesen handelt es sich um Monika Maron selbst, die abgelehnt wird und nur darauf hoffen kann, dass ihre eigentlichen Qualitäten – das Hündchen, wie sich herausstellt, kann virtuos Pirouetten drehen – schließlich doch noch erkannt werden.“

Maron erhielt unter anderem den Kleist-Preis und den Deutschen Nationalpreis, ihre Bücher – von „Flugasche“ bis zu „Artur Lanz“ gehören seit 40 Jahren zu den intensiv besprochenen Texten in Deutschland. Und diese Autorin soll also mit fast 80 Jahren über ein Hundegleichnis das Bedürfnis haben zu beweisen, dass sie ein bisschen schreiben kann, in der Hoffnung, doch noch anerkannt zu werden? Und wer lehnt Maron eigentlich ab? Ihre Leser nicht, ihr neuer Verlag auch nicht. Es geht aber beim Deutschlandfunk noch totaler und verstrahlter, als man es sich bis jetzt überhaupt vorstellen kann:

„Oder, noch einmal anders: Das struppige Hündchen, das ist die heterogene, gar nicht mehr heroische Gesellschaft, über die Maron immer wieder ihr Missfallen zum Ausdruck gebracht hat […] Will sie uns also sagen, dass sie sich vielleicht doch noch mit dem Erscheinungsbild der aktuellen Gesellschaft anfreundet?“

Merkwürdigerweise kommt Porombka gar nicht auf die Idee, dass es sich bei dem (schwarzen!) Hund in Wirklichkeit um einen Migranten und der Erzählung folglich um einen rassistischen Programmtext handeln könnte. Oder noch einmal anders: Um eine Verächtlichmachung Peter Altmaiers oder ein verdecktes Lob für Donald Trump. Immerhin ist der Hund ja übergewichtig.
Eine Möglichkeit scheidet beim Deutschlandfunk von vorn herein aus, nämlich die, dass Maron in „Bonnie Propeller“ einfach nur über ihre Hündin namens Bonnie Propeller schreibt. Wie heißt doch das Credo der Merkel-Ära? Bloß keine einfachen Lösungen.

Die Rezensentin hätte sich einen Text aus eigener Produktion in der Zeit zu Herzen nehmen können: Einfach mal die Fresse halten“ von Wiebke Porombka
Tat sie aber leider nicht. Ihre Meinungshaltung muss einfach hinaus ins Sendegebiet.

Jedenfalls, ganz gleich, ob der Hund nun das innere Exil, Maron selbst oder die Gesellschaft verkörpert (oder eben Trump), Porombka warnt dringend, der Neurechten auf den Leim zu gehen:

„Man sollte solcherart Versöhnungsspekulationen unbedingt skeptisch gegenüberstehen. Nicht nur setzen sie sehr viel guten Deutungswillen der Lesenden voraus.“

Man sollte? Bei diesen Spekulationen handelt es sich ja um nichts anderes als um eine Serie von Sockenschüssen im Kopf der Buchbesprecherin, einer zum Gotterbarmen dämlicher als der andere. Und ganz nebenbei: Mit wem müsste sich Monika Maron denn versöhnen? Mit den Benimmtanten aus dem Gebührenfunk und sonstigen Moralbetriebsnudeln, die selbst in einer völlig unpolitischen Erzählung noch nach ideologischen Geheimbotschaften stochern?

Was der DLF über Maron sendet, ist so brülldumm, dass es sich selbst von identitätspolitischen Thomas-Mann-und Hannah-Arendt-Exegesen und vielen anderen Grotesken des Senders noch einmal deutlich absetzt. Eine Homeshoppingkanal-Moderatorin ist wenigstens ganz bei sich, wenn sie etwas über Kosmetik und Halsketten erzählt. Sie berichtet über ihre Gegenstände mit Sicherheit kompetenter, wahrscheinlich sogar raffinierter als Wiebke Porombka über Literatur. Vorerst ist die ARD-Anstalt damit in der Talsohle des Blöden angelangt – was aber nicht heißt, dass es nicht noch weiter abwärts gehen kann, auch, wenn momentan noch die Phantasie dafür fehlt, wo und wie genau. Um einem Missverständnis zu entgehen: Der Autor dieses Beitrags beschäftigt sich mit Porombka, Döbler et al. nicht, weil die Personen so interessant wären, sondern weil es sich um Symptome handelt.

Schon in der Übergangszeit zwischen der tiefen Vergangenheit hinter den sieben Bergen und der Gegenwart, nämlich 2011, hatte Wolfgang Herrndorf mit einem Vertreter der Tagesthemen ein Interview vorbesprochen und dabei als Bedingung genannt, „dass sich das Interview ausschließlich um Literatur drehen wird“. Um dann noch während des Telefonats festzustellen, wie er wegen dieser Forderung als komischer Kautz abgebürstet wird, und das TV-Gespräch ablehnte. In „Arbeit und Struktur“ notierte er:

„Dann doch lieber gleich RTL Explosiv, die müssen sich wenigsten nicht den ganzen Tag vormachen, einem vor Jahrzehnten schon in die Tonne gekloppten Rundfunkauftrag zu genügen.“

Während seiner Krebserkrankung hatte Herrndorf „Buddenbrooks“ und „Zauberberg“ noch einmal gelesen. In „Arbeit und Struktur“ heißt es:

„Ich überprüfe mein Urteil mit zwanzig. Da gab es in diesem Fall ausnahmsweise nicht viel zu korrigieren, nur die Reihenfolge hatte sich geändert: Jetzt waren mir die ‚Buddenbrooks’ doch lieber.“

Um dann auf die technische Brillanz von Mann hinzuweisen, die „Desillusionsmaschine“, wie er sie nennt, eine technische Ebene, die kaum ein deutscher Romanautor danach je wieder erreichte. Herrndorf wusste, dass die Qualität eines Buchs herzlich wenig an dem Geschlecht und der sozialen Stellung des Autors hängt, sondern an dessen Intelligenz im Umgang mit dem Text. An dem, was der Deutschlandfunk und auch andere Öffentlich-Rechtlichen heute zur Literatur funken, wird auch noch für den letzten Gutwilligen deutlich: Es gibt dort praktisch niemanden mehr, jedenfalls nicht in der Riege des immergleichen Frauentyps, der ans Mikro darf, der überhaupt einen Text als Text beurteilen kann. Denn auch dazu braucht es ein bisschen Handwerk.

Übrigens: Auch Herrndorfs Werk wartet natürlich darauf, endlich auf schlimme Stellen gegengelesen zu werden. Allein aus dessen Roman „Sand“ lassen sich so viele Rassismus- und andere Verdächte sieben, dass die Arbeit ein ganzes DLF-Pensionat auslastet.

Die anstehende, aber hoffentlich nicht stattfindende Beitragserhöhung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf 18,34 Euro im Monat begründen Senderhierarchen, wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt, auch mit ihrem kulturellen Angebot, das es in dieser Art sonst nirgends geben würde.
Zum Glück.
Es wäre auch geschenkt noch zu teuer.

Dieser Text erscheint auch auf Tichys Einblick.

67 Kommentare
  • Robert Meyer
    4. Dezember, 2020

    Lieber Herr Wendt,
    Sie könnten auch über Staunsaugerbeutel schreiben und es wäre große Klasse…. einfach herrlich!

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    • K. Broesel
      5. Dezember, 2020

      Super Artikel!
      Der DLF ist nur noch zum Fremdschämen. Deswegen ist er für mich auch schon seit langem gestorben. Leider muss man diesen ganzen Schrott, diese Inkompetenz, diese unsägliche Arroganz, diese ganzen Unverschämtheiten, Beleidigungen und Publikumsbeschimpfungen auch noch mit seinen Zwangsgebühren unterstützen. Das ist das Schlimmste daran.

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    • pantau
      7. Dezember, 2020

      Es gab ein Schlüsselerlebnis mit dem DLF bereits in den Neunzigern, ich hatte grad die Musik Arnold Schönbergs für mich entdeckt und hörte mir deshalb ein «Feature» oder «Psychogramm» zu diesem berühmten Mann an. Darin wurde er auf genau dieselbe hyänenhaft-verächtliche Weise «kritisiert» wie oben Maron & Co. Etwa das biographische Detail, daß Schönberg, bevor er aus Wien in die USA fliehen musste, einen geladenen Revolver auf seinen Spaziergängen mitzuführen pflegte. Das wurde durchaus nicht in den nötigen Kontext des virulenten Antisemitismus gestellt, sondern in Bezug gesetzt zu einem Verfolgungswahn. Generell sehe ich in unserer Kulturjournallie seit geschlagenen 30 Jahren die Neigung, sich ausgerechnet und fast ausschließlich an den Besten «kritisch» abzuarbeiten. Egal wo, Bach, Gould, Mann, Schönberg, überall wird gesägt und maßstabsfrei bekrittelt. Man fragt sich dann automatisch, wer dann stattdessen Lob erhält? Keiner oder doch das Mittelmaß, weil sie sich neben dem nicht so klein fühlen..

      Herr Wendt, Sie vollbringen mal wieder das Kunststück, diese fast nicht mehr analysierbare und aussprechbare hohe Potenz an Widerwärtigkeit und moralischer Verwahrlosung exakt ausdifferenziert und vermessen zu haben. Und das in einer Art, die einen mit einem humoristischen Prickeln in der Birne zurückläßt. Vielen Dank dafür!

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  • FunktionsElite
    4. Dezember, 2020

    «Wiebke Porombka, die Marons Erzählung auseinandernimmt wie ein DDR-Grenzer einen Westwagen», welch geniale Metapher für das Getexte einer von Ideologie zersetzten Agitationsfunkerin im Tschekistenmodus.

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    • Ein so typ
      4. Dezember, 2020

      Wieder einmal ein sehr schöner Text, auch wenn die Umstände traurig sind.

      Danke dafür

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    • pantau
      7. Dezember, 2020

      Geht’s Ihnen auch so wie mir, daß man immer häufiger glaubt in einem schlechten Roman zu leben, in dem die Figuren Namen haben, die ihren Charakter widerspiegeln? Ich frage mich, wie solche Korrelationen zustandekommen….ist das ein spezieller Humor derer, die Karrieren anbahnen?

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      • Jaspers
        8. Dezember, 2020

        Hallo pantau,
        die Anbahner dieser zeitgeistigen Lebensläufe waren deren Eltern. H.Mann hat für diese Sorte den Sammebegriff Untertan benutzt. Diederich Heßling ist der Typ 1914.

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      • Jaspers
        8. Dezember, 2020

        Claas und Wiebke…..da stimmt die Haltung! In der verblichenen DDR wurde das noch als gefestigter Klassenstandpunkt bezeichnet. Wenn solch linientreuen Gartenzwergen nicht rechzeitig die wirtschaftliche Basis wegbricht, können DIE ganz GROSSES erschaffen.

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  • Alexander Peter
    4. Dezember, 2020

    Sehr geehrter Herr Wendt,

    Sie verstehen es ein ums andere Mal, uns Leser mit Personen der Zeitgeschichte (Wiebke Porombka etwa) und deren luziden Gedanken zu konfrontieren, von denen wir sonst vermutlich nie gehört hätten.
    Nicht nur in diesem Falle kommt einem dabei allerdings der Ausspruch «Ignorance is bliss» in den Sinn.
    Denn wer sollte derart (schlichtes) proseminaristisches Geraune aus dem «Deutschlandfunk», das wohl kaum aus der Erzählung Marons abgeleitet ist, kennenlernen wollen?
    Erschütternd ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der sich anscheinend der öffentliche Diskurs (nicht nur im Falle Thomas Manns oder Monika Marons) in Richtung ideologiegetriebener Konformität bewegt.
    Thomas Mann und andere alte Säcke erledigen die Döblers natürlich mit Leichtigkeit, zumindest in ihrer eigenen Wahrnehmung und zum Gaudium anderer aufrechter Gleichgesinnter.
    Bei Maron oder Tellkamp hingegen wäre vielleicht ein Publikationsverzicht bekannter Verlage das Mittel der Wahl?
    Sollen diese Autoren doch bei obskuren Kleinverlagen («im Westen», hihi) publizieren, wenn es denn überhaupt sein muss.
    Oder doch erst einmal ein Warnhinweis wie auf Zigarettenschachteln? «Achtung, Neurechtes Gedankengut».
    Die «neue Normalität» nimmt rasant Fahrt auf, aber warum riecht es so penetrant nach DDR?

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    • Sebastian
      5. Dezember, 2020

      Man kommt sich vor wie in den frühen 1950er Jahren inden USA, zur McCarthy Kommunistenjagd. Diesmal in umgekehrter Richtung und global. McCarthy starb 1957 an Leberzirrhose. Hat eine gewisse Ironie selbst als Moralapostel zu agieren, und an einer unmoralischen krank zu sterben. Mit seinem Tod war die Hexenjagd beendet. Hatte bis gestern im Münchner Merkur kommentiert. Aber kritisch und wahrheitlich gegen die Grüninnen Roth und Bärbock wird sofort gelöscht. Gegen Bayerns Vizeministerpräsident FW Aiwanger ist erwünscht.

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      • Gustav
        5. Dezember, 2020

        McCarthy stellte ab 1950 an prominenter Stelle eine sehr groß angelegte kommunistische Infiltration wichtiger Institutionen der Vereinigten Staaten fest. Im Jahr 1952 erhielt er den Vorsitz des Ausschusses für Regierungsgeschäfte des Senats und seines ständigen Unterausschusses für Untersuchungen. Zwei Jahre lang untersuchte er die kommunistische Infiltration.

        Er war auch an der Kritik an den Dachau-Prozessen beteiligt, insbesondere an den Vorwürfen im Zusammenhang mit dem behaupteten Massaker von Malmedy.

        Spätere Nachforschungen haben eine sehr groß angelegte kommunistische Infiltration bestätigt, obwohl dies der allgemeinen Öffentlichkeit oft nicht bekannt ist und es in politisch korrekten Quellen über McCarthy oft nicht erwähnt wird.

        McCarthy hatte mit den gleichen Kräften zu kämpfen, die uns hier und heute das Leben schwer machen.

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    • Immo Sennewald
      5. Dezember, 2020

      Weil es von dort kommt. Man nennt es auch «Stallgeruch». Und das Gestüt hat von dort sowohl Methoden des Rekrutierens von Trainern als auch der Nachzucht und des Dopings übernommen. Zahllose Goldmedaillen bei kommenden Weltmeisterschaften sind anvisiert. Ochs’ und Esel (Benjamin), vielleicht auch Muriel, die Ziege, werden wieder ihre liebe Mühe haben, den Sozialismus in seinem Lauf… nein! – nicht aufzuhalten, sondern einfach nur zu überleben.

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  • Peter Thomas
    4. Dezember, 2020

    Der Deutschlandfunk war 1980 ff. meine Verbindung zur «Welt der Sehnsucht», irgendwann damals brachten sie die zehnteilige Serie «Mr. Tambourine Man», nachts von null Uhr fünf bis ein Uhr, und ich versuchte das auf Kassette zu kriegen, per Mittelwelle, in einem Dorf hinter Dresden. Das Ergebnis war schrecklich; ich schämte mich, es den Klassenkameraden vorzuspielen. Das lag an der Mittelwelle, die Musik tauchte regelmäßig im Rauschen unter. // Das «Literaturmagazin» hörte ich noch gelegentlich bis 2005, ein paar Jahre länger noch die Nachrichten. // Nunmehr sind DLF und FAZ, was 1980 das Neue Deutschland war. 1985 bin ich den «Landschaften der Lüge» entkommen, um 2020 von denselben eingeholt zu werden. Aber das stimmt nicht, es begann ja viel früher. Ist es jetzt aber vollendet? Durchaus nicht. Frau Porkabomba ist nur ein Schaffner im Zug nach 1984.

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  • Andreas Rochow
    4. Dezember, 2020

    Der dlf – für einen Ossi in den 80-er Jahren die Offenbarung! – muss seine Hörer heute durch die zwanggebührenpflichtige Propaganda- Jauche des heutigen Deutschlandfunks erschüttern. Während linke Propagandaaktivisten fröhliche Urständ feiern, wird die Meinungsfreiheit unterdrückt, wie es Bolschewisten und linken Multikulturalisten nur gefallen kann. Die Dekonstruktion der kulturellen Werte läuft auf vollen Touren. «Volk» und «bürgerlich» sind verdächtig und werden hysterisch aus dem Wertekanon getilgt. Da müssen schon mal Thomas Mann und Hannah Arendt als bürgerlich Verdächtige herhalten. In Merkels Deutschland ist ihnen der Pranger des Umstrittenseins sicher! Diese katastrophale Schieflage wäre ohne die massenmediale Manipulation durch die öffentlich-rechtlichen Mainstreammedien nicht möglich! Ein durch Zwangsbeiträge finanzierter Staatsrundfunk wie ARDZDFDLF signalisiert des Ende der Demokratie. Er schwimmt gegen den Strom der Wahrheit. Qualitätsjournalisten fliehen und machen linken Propaganda-Aktivisten Platz. Das galt schon vor der «umstrittenen» Erhöhung des skandalösen Zwangsbeitrags!

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  • AMC
    4. Dezember, 2020

    Ich danke dieser komischen Zeit, dass sie Menschen wie Sie, lieber Herr Wendt, hervorbringt. Jeder Satz ist ein Genuss. Besonders schätze ich die geistige Grundlage, der diese Sätze entsprungen sind.

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  • luxlimbus
    4. Dezember, 2020

    » …ein ähnliches Verhältnis wie Trichinenbeschauer zur Kochkunst. » KLASSE!

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  • Joseph
    4. Dezember, 2020

    Hui, Herr Wendt. So kennt man Sie ja gar nicht. Direkt rüpelhaft.

    Aber auch mal schön, dass es selbst Ihnen, als eigentlich ruhiger Zeitgenosse, irgendwann mal reicht und Sie Luft ablassen.

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    • Manni Decker
      5. Dezember, 2020

      1663 schreibt Johann Balthasar Schupp: «wie man ins Holtz schreyet / so klingets wider heraus / und auff ein grobes Holtz gehöret ein grober Keil» (redensarten-index.de)

      Ein phantastischer Artikel von Herrn Wendt. (Spenden-Überweisung folgt.) Man merkt dem Autior seine persönliche Betroffenheit und Empörung über das infame Machwerk dieser selbstgefälligen DLF-Haltungsrezensentin durchaus an. Und das ist auch gut so.

      Der DLF «… wäre auch geschenkt noch zu teuer». Dem ist nichts hinzuzufügen.

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    • Bruno Koslovski
      6. Dezember, 2020

      Genau das habe ich auch grade gedacht nachdem ich den hervorragenden Text gelesen hatte. Eine ,für den sehr geschätzten Herrn Wendt, ungewöhnliche Schärfe in der Ausdrucksweise’.
      Aber es gründet sich wahrscheinlich in einer Art persönlicher Betroffenheit, und da darf man auch mal ein wenig aufgebracht daherkommen. Sehr erfrischend.

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  • Reinhard Westphal
    5. Dezember, 2020

    «Was der DLF über Maron sendet, ist so brülldumm…»…. aber eben zeitgeistmäßig auf aktuellstem ‘Niveau’. Ganz sicher erhält die Autorin nach einer solchen Rezension die uneingeschränkte Anerkennung der linksintellektuellen community. Vielleicht erfüllt sich so «in der Hoffnung, doch noch anerkannt zu werden» ihr Traum, den sie mit ihrem eigenen Werk «Medialität urbaner Infrastrukturen: Der öffentliche Nahverkehr, 1870-1933 (Kultur- und Medientheorie)» nicht erreichen konnte (1. Auflage 2013, Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1,849,987 in Bücher)?
    Mein Fazit: Journalistisches Format sieht anders aus, von menschlichem Format ganz zu schweigen.

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  • willi
    5. Dezember, 2020

    Herr Wendt, herrlich wie immer, nicht zur Selbstbestätigung der gleichen Meinung, das der Zwangsgebührenpropaganda-Gesinnungsbetrieb wie bereits in tiefsten Ochs und Esel Tagen des Sozialismus seine Aschenputtelige Aussiebung von Menschenden in Edelkomsomolzen ins Töpchen und arbeitsscheuen feindlich negativen kapitalistisch imperialistischen rückwärtsgewandten Hasshetzerelementen ins willkürlich unterstellende neurechte Kröpchen zur Blüte im selbstdiagnostizierten Zentralkomitee staatskomunistischer Blasen trieb, in der ein 5jähriges Kind als Einstein erscheinen könnte, sondern allein um der für solche Edelmensch*innen mit Gesinnung und Haltung für unerreichbar hohen Kunst der logischen analytischen Rhetorik Willen.
    Mehr und mehr höre ich im besonders thüringischen durch Höcke angeblich erfolgos neurechten Volk (wenn man das noch sagen darf) die Meinung, so schlimm und psychologisch bedenklich ideologisch zerfressen war nicht einmal die DDR.
    Wo Sie den vergleich ansprechen – die Untersuchung eines Westautos an der ostdeutschen Grenze war in Hinblick auf den ideologischen Wahn von durch jahrelange Zwangsabgabenvolkverhetzung massenhaft auftauchenden Fanatikern gradezu ein freiheitlicher Vorgang. Die modernen Kämpfergegenalles, was sich auch nur an der Nase kratzt, hätten den feindlichen Westwagen wohl auch noch mit nach Hause genommen um ihn klein zu feilen und unters Essen gemischt zu verzehren, um all das Böse über alles in der Welt schlußendlich wirklich zu besiegen. Diese nicht anders zu verortenden pathologischen Schreiberlinge gehören eigentlich auf des Doktors Tisch und nur in so glänzenden blühenden Sozialismuslandschaften unter Honeckers Mädchen konnten so viele Menschen, die keinen Eignungstest für freiheitlich demokratischen Rechtsstaat bestehen würden wieder zu Rang, Ehren und Namen gelangen, ausgerechnet im ohnehin engen Kreis dazu fähiger Buchbesprecher in der nationalen Front der Gesinnungs- und Haltungsmediatur Analysen abzugeben. Lassen wir sie weiter Schnitzlern in ihrem KäptnAhabwahn, der selbst einen Stein auf dem Fußweg als lebensgefährlichen und vernichtungswürdigen Feind erkennt, weil er existiert. Kommunismus ist, wenn erst alle so sind und je mehr es davon gibt um so weniger wollen es sein. Das ist die einzige Hoffnung die die Freiheit hat. Aber erst braucht es wieder die kritische Masse, bevor solche Widerlinge vom Souverän aus ihren Schreibtischtäterstuben ins heimische Exil geschickt werden. Man glaubt es nicht aber kann es sehen wenn man will, ja, solche Kranken belehren mal wieder die Welt und keiner hindert sie! Die «Buchbesprecherin» eilt sicher bald zum größten Bupräsi aller Zeiten um sich das eiserne Großkreuz an der Riesenschleife im Kampf gegen Rechts abzuholen, weil sie die Menschen über die Bosartigkeit der Autorin der bösen Bücher unterrichtet hat. Herr Wendt, wie schlimm wird das alles noch?

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  • Albert Schultheis
    5. Dezember, 2020

    Die grün-stalinistische Verblödung, Infantilisierung und gleichzeitige Verkitschung von deutscher Kultur und Sprache durch die Viererbande CDUCSU-SPD-Grüne-Linke ist nicht mehr aufzuhalten. Die Kulturrevolution der Schwarzen Witwe Merkel hat totalitäre Züge und Ausmaße angenommen! Und das in einem Land, das bereits mehrfach Bücherverbrennungen exerziert hat – einmal die braune und ein zweites mal die sozialistische. Sie zertrümmern alles, ohne Vorbehalt. Wir können nur noch retten, was irgendwie zu retten ist vor unseren irren, despotischen Landsleuten und unserer aufgehetzten Jugend. Früher HJ, danach junge Pioniere und Komsomolzen, heute rotgrüne AntiFantasten, Genderkrieger und faschistische Anti-Rassisten.
    Ich lebe im Ausland und erlebe wie Stolz die Menschen hier auf ihr kulturelles Erbe sind – besonders die jungen Menschen. Vielleicht sollten wir Thomas Mann, Monika Maron und die vielen anderen «Bürgerlichen» mit dem mangelhaften Gender-, Klassen- und Rassenbewusstsein auslagern, bevor es zu spät ist, umwidmen, als Leih- oder Dauergabe an vielleicht die Schweiz oder Österreich übergeben. Oder besser ganz weit weg von diesem immer wieder nur schrecklichen Deutschland mit seinen einfach nur schrecklichen, blöden Menschen. Ich schlage das vergleichsweise liberale Uruguay vor. Die würden einen Thomas Mann auf Händen tragen.

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  • Helene
    5. Dezember, 2020

    Die Tatsache ist betrüblich, aber Ihre Abrechnung mit diesen pseudomoralbetrunkenen Nieten ist brillant.

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  • Grand Nix
    5. Dezember, 2020

    Alle Sichtweisen sind beschränkt, ausnahmslos alle, egal wer wann schrieb/schreibt, oder wie viel/wie tief man in ein Thema einsteigt. Wer etwas anderes behauptet, hat das Wesentliche (nur ein Stäubchen vom Staube zu sein und nur ein paar Stäubchen vom Staube wahrzunehmen und zu verarbeiten) nicht verstanden. Doch sind bestimmte Werke deshalb schon „viel schlichterer“ oder gar schlecht?

    Ich denke da zum Beispiel an die Schopenhauers, Mutter Johanna, die Schriftstellerin und Sohn Arthur, der Philosoph. Die kluge, belesene und aufrichtige Frau Mama, war damals – nicht nur durch ihre recht erfolgreiche Schriftstellerei – viel bekannter, beliebter und geschätzter, als der ständig grummelnde und scharfkantige Sohnemann Arthur. Goethe schätzte ihre Aufrichtigkeit und Bodenständigkeit, besonders in jenen unruhigen kriegerischen Zeiten, und auch besonders in Bezug auf Goethes Frau Christiane, die in der Weimarer Gesellschaft einen sehr schweren Stand hatte. Es waren aber gebildete, eigentlich gut erzogene adlige Frauen, die teilweise mit unglaublicher Niedertracht und Boshaftigkeit über die Ehefrau Goethes (die aus einfachen Verhältnissen kam) unerbittlich jahrein, jahraus herzogen. Johanna legte schützend ihre Hand über Christiane, gab ihr einen sicheren Hort, in der Christiane einfach nur Frau sein konnte. Goethe besuchte (nicht nur deshalb) gerne die von Johanna Schopenhauer wöchentlich veranstalteten Teegesellschaften im Literarischen Salon, und viele kluge Köpfe folgten gerne seinem Beispiel.

    Doch, so meine ernste Frage in die Runde, wer kennt heute auch nur ein einziges von Johanna Schopenhauer geschriebenes Buch, oder hat eins gelesen? Vermutlich keiner, meine Wenigkeit mit eingeschlossen. Aber nicht aus Desinteresse und Ignoranz verschwand Johanna Schopenhauer langsam aber sicher aus den deutschen Bücherregalen und damit aus unseren Köpfen. Sondern weil es heute ein viel „schlichteres Werk“ wäre als zur damaligen Zeit und ihre Werke eine sehr eingeschränkte weiblich-bürgerliche Sichtweise auf die damalige Gesellschaft präsentieren. Ist das wirklich so schwer zu verstehen, werte Literaturkritikerin Katharina Döbler?

    Sie haben völlig recht, lieber Herr Wendt: „Beschränkt waren früher alle. Selbst Shakespeares Sichtweise war beschränkt.“ Und ich gehe gleich einen Schritt weiter, auch meine und Ihre Sicht ist beschränkt, und das ist auch gut so. Aber, bei aller Beschränktheit, meine Damen und Herren, eines wird sich immer (wieder) durchsetzen: Qualität, Ehrlichkeit, Realitätssinn und Weitsicht. Deshalb plädiere ich dafür, den Untertan von Heinrich Mann an die Spitze des deutschen Literaturkanons zu platzieren. Irgendwelche Einwände?

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    • Peter Thomas
      5. Dezember, 2020

      Aber klar doch! In Ost wie West wurden die Kinder mit diesem niederschmetternden Buch von H. Mann gequält aus dem einzigen Grunde, den Protagonisten und die Umstände damals so billig verachten zu können. Wenn schon Heinrich Mann in den Kanon, warum dann nicht «Die Göttinnen»?

      Ihrem Hinweis auf unser aller Beschränktheit möchte ich jedoch von Herzen zustimmen.

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      • Grand Nix
        5. Dezember, 2020

        Na, Sie sind göttlich, lieber Peter Thomas. Hier einfach mal so einen dreibändigen Wälzer in den Ring zu werfen. Aber, warum eigentlich nicht? Da ist ja alles gut durchmischt, etwas Brünstiges und Barbarisches, etwas Klerikales und Klamauk, etwas Höriges und Heroisches, etwas Dümmliches und Despektierliches. Ja, warum eigentlich nicht! Gut! Sehr gut! Ich warte auf weitere Angebote, meine Damen und Herren. Und besten Dank für Ihren guten Vorschlag!

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    • pantau
      7. Dezember, 2020

      Popularität zu Lebzeiten ist i.d.R. ein Zeichen für fehlende Qualität. Goethe hatte schlechte Auflagen, T. Mann, die große Ausnahme von dieser Regel, musste für Musil, den Titanen, sammeln gehen. Gottfried Benn (sehr empfehlenswert seine Audiovorträge) hat mal kenntnisreich darüber referiert. Und das Schlechtmachen von Arthur und das Lob der Johanna zeigt genau die Tendenz, die der DLF jetzt vollendet hat. A. Schopenhauer? Großer Zorn bei allergrößter Klarheit. Was will man mehr?

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      • Grand Nix
        8. Dezember, 2020

        Noch mal kurz bezugnehmend auf Schopenhauer, lieber pantau. Habe gerade das Buch «Die Schopenhauer-Kur» (das neben dem Buch „Und Nietzsche weinte“ sein gemütliches Buchdasein bei mir fristet) von Irvin.D. Yalom in den Händen. Beide Bücher habe ich vor Jahren gern gelesen, oft gekauft, und und bei passender Gelegenheit an Freunde und liebe Bekannte verschenkt, die sich ein wenig für Philosophie interessieren, aber nicht so recht wussten, wo sie anfangen und wie sie in das komplexe Thema Philosophie einsteigen sollen. Falls Sie diese klug geschriebenen Schmöker noch nicht kennen sollten, unbedingt lesen, lieber Pantau. Denn das Feedback der Beschenken war durchweg positiv. Irvin. D. Yalom, ein amerikanischer Psychotherapeut, versteht es meisterlich, behutsam aber mehr und mehr fesselnd, uns Leser ein schwieriges Thema mit leichter Feder nahezubringen. Da (Schopenhauer-Kur) wird anhand einer fiktiven Geschichte sehr anschaulich auf die Genialität des Meisters einerseits und auf seine schwierige Persönlichkeit andererseits eingegangen.

        Genial ist Arthur Schopenhauer, weil, ich zitiere, „schon oft festgestellt wurde, dass drei wichtige geistige Umwälzungen die (anmaßende) Idee von der zentralen Stellung des Menschen bedroht haben. Als Erster demonstrierte Kopernikus (und sein revolutionärer Mitstreiter Galileo Galilei), dass die Erde nicht der Mittelpunkt (allen kosmischen und damit allen göttlichen Geschehens) ist, um den sich alle Himmelskörper drehen. Als nächster zeigte uns Darwin, das wir keine zentrale Rolle in der Kette der Evolution spielen (im Gegensatz zu den substanzlosen Behauptungen aller selbsternannten Stellvertreter irgendeines Gottes), sondern wie alle anderen Geschöpfe (von der Maus bis zur Laus, vom Dino bis zum Dackel) aus anderen Lebensformen (vermutlich den primitiven Einzellern) entstanden sind. Und drittens erklärt Freud, dass wir in unserem eigenen Hause nicht die Herren sind – ein Großteil unseres Verhaltens werde von Kräften außerhalb unseres Bewusstsein (Stichwort: Triebe, besonders der Sexualtrieb) beherrscht. Es besteht kein Zweifel daran, dass (und jetzt wird es für uns interessant, lieber pantau) Freuds verkannter Mitrevolutionär Arthur Schopenhauer war, der schon lange vor Freuds Geburt postulierte, dass wir von tiefgreifenden biologischen Mächten (also dem uns beherrschenden Haushalt unserer wechselwirkenden Triebe) gesteuert werden und uns dann einbilden, wir hätten unser Schicksal bewusst gewählt.“

        Schopenhauer gehört ohne Zweifel, so wie auch Sokrates, welcher die Philosophie vom Himmel auf die Erde holte und das Fehlerwesen Mensch in den Mittelpunkt der Betrachtung rückte, zu den ganz großen Denkern der Weltgeschichte. Bedauerlicherweise wissen leider immer noch viel zu wenigen Menschen das Genie Arthur Schopenhauer angemessen zu würdigen, weil viel zu wenig gelesen und verstanden.

        Aber, wie jede Medaille auch zwei Seiten hat, so hat auch Schopenhauer eine Seite, die nicht so schön ist. Schopenhauer sagte mal: „Durch etwas Höflichkeit und Freundlichkeit kann man Menschen biegsam und gefällig machen. Sonach ist Höflichkeit dem Menschen, was die Wärme dem Wachs.“ Hmm, Höflichkeit und Freundlichkeit nur als Mittel zum Zweck verstanden? Nein, das wäre mir persönlich zu wenig, und im Umgang mit Freunden und Familie unaufrichtig, wenn nicht gar erbärmlich. Bezugnehmend auf seine Eltern schrieb der betagte Sohn Arthur folgendes: „ Die meisten Männer (Vater Schopenhauer war deutlich älter als seine sehr ansehnliche Frau) … lassen sich durch ein schönes Gesicht verlocken, denn die Natur inducirt sie dazu, Weiber zu nehmen, indem sie diese auf Einmal ihre volle Glanzseite zeigen oder … einen >Knalleffekt< machen läßt; die vielen Übel dagegen, die sie im Gefolge haben, verbirgt: als da sind die Ausgaben, Kindersorgen, Widerspenstigkeit, Eigensinn, Alt und Garstigwerden nach wenigen Jahren, Betrügen, Hörneraufsetzen, Grillen hysterische Anfälle, Liebhaber und Hölle und Teufel. Deshalb nenne ich die Heirath eine Schuld, die in der Jugend contrahirt und im Alter bezahlt wird.“

        So wichtig und richtig diese schonungslose Analyse auch sein mag (und sehr lehrreich für uns männlichen Nachgeboren), so unattraktiv und verstörend müssen solche Worte auf vermeintlich starke und stets tatkräftige Frauen wirken. Ein kluger und stattlicher Mann, mit Herz am rechten Fleck, entzückt in der Regel die Damenwelt (und nicht nur diese). Zu viel Genie, zu reichlich kalte Analyse (wie hier von mir zitiert) schreckt dagegen ab, besonders, wenn Mann dazu noch klein von Wuchs, recht unansehnlich und reichlich triebgesteuert ist.

        Fazit: Sokrates und Schopenhauer haben mir ( auch wenn sie einen deutlichen Hang zur Besserwisserei verbreiteten, recht kauzig und eigenbrötlerisch waren) auf vielerlei Art und Weise das große Nichts nahegebracht. Der berühmte Satz von Sokrates dürfte bekannt sein. Schopenhauer sagte mal, nach dem Tod würden wir das sein, was wir vor unserer Geburt waren, nichts. Mein geschätzter Schachpartner sagte mal vor langer Zeit: Wir kommen aus dem Nichts, sind Nichts, verstehen Nichts und verschwinden wieder im Nichts. Eine steile These, sicher, aber irgendwie gefiel sie mir. Und weil ich diesen Worten von Sokrates und Schopenhauer und von meinem Freund nichts Gescheites entgegenzusetzen vermochte, war für mich das große Nichts (Grand Nix) geboren. Und damit, lieber pantau, kann man, wenn man es zulässt, als unbedeutendes, fremdgesteuertes und mit reichlich Widersprüchen behaftetes „Stäubchen vom Staube“ (wie Nietzsche mal treffend sagte) gut und gerne leben. Trotz dem.

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        • Libkon
          9. Dezember, 2020

          Auch wenn Sie mich nicht direkt angesprochen haben, stimme ich Ihnen dennoch, was Schopenhauer betrifft, zu. Er ist mein „Lieblingsphilosoph“, vielleicht deshalb, weil er feststellte, dass wir aus dem Nichts kommen und ins Nichts gehen. All die „Kränkungen“, welche die Menschheit im Laufe der Jahrhunderte „hinnehmen musste“, wie z.B., dass sich nicht die Sonne um die Erde, sondern die Erde um die Sonne dreht, zeigen, wie irrend wir Menschen sind. Es irrt der Mensch solang er strebt. Daher kann nur eines helfen: Leute, lebt Euer Leben möglichst so, dass ihr am Ende sagen könnt: Ich habe ein (halbwegs) erfülltes Leben gelebt und frage mich nicht: War das alles?!

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          • Grand Nix
            20. Dezember, 2020

            Schopenhauer als «Lieblingsphilosophen» bezeichnen, fällt mir irgendwie schwer, lieber Lipkon. Ich würde keinen dieser großen Denker so bezeichnen wollen, auch den Altphilologen Nietzsche nicht. Für die köstlichen Versuche von Montaigne habe ich zwar eine kleine Schwäche, auch heute noch, aber ihn als «Lieblingsphilosophen» zu bezeichnen, ich weiß nicht. Warum das so ist, lieber Libkon, kann ich Ihnen leider nicht sagen. Aber, in der Tat, ich stecke lieber in deren Werke meine neugierige Nase, als in die teilweise recht kryptischen Arbeiten von Platon, Fichte, Hegel und Co. Siehe dazu meinen erst kürzlich – in wohliger Weinlaune – spontan eingetippten und (nicht) ganz ernstzunehmenden Kommentar zu Hegels Logik (oder dass, was der gute Mann dafür hält).

            https://fassadenkratzer.wordpress.com/2020/12/18/die-ubersinnliche-natur-des-denkens-zur-bedeutung-von-hegels-logik/

            Im Bereich Musik (Musiker) oder im Bereich Kunst (Künstler), sieht das interessanterweise wieder ganz anders aus. Fragen Sie mich auch hier bitte nicht, warum? Ich kann es Ihnen nicht sagen, ist einfach so. Mozart und Bach, Pink Floyd und Led Zeppelin zum Beispiel, bezeichne ich oft als meine „Lieblingskünstler/Lieblingsband“. Raphael und Bosch, Dalí und Spitzweg, ebenso. Verrückt, nicht? Vermutlich liegt es daran, dass mich diese großen Künstler auf einer ganz anderen Ebene, auf eine ganz andere Art und Weise erreichen, abholen und beeindrucken.

            Und jetzt wird es noch ein wenig verrückter, lieber Libkon. Ich habe circa ein halbes Dutzend Schachbretter. Und eines davon, es ist (wie die Figuren) schlicht, abgegriffen, alt und mit deutlichen Gebrauchsspuren, nenne ich wie? Richtig: Lieblingsbrett! Merkwürdig, nicht? Na, wenn da mal nicht der Wurm drin ist.

  • Jens Richter
    5. Dezember, 2020

    Schon zu seinen Lebzeiten wurde Mann gefragt, warum er den Arbeitsmann, den klassenbewussten Proletarier denn ignoriere. Seine Antwort war schlicht und ehrlich: Er schreibe grundsätzlich nur über Gesellschaftsverhältnisse, die ihm geläufig seien. Im Bürger- und Großbürgertum kannte er sich aus, darüber schrieb er, zeichnete hellsichtig seinen Untergang. Sein Dr. Faustus wurde Zeile für Zeile von Theodor W. Adorno begleitet, weil Mann sich dem Thema Neue Musik allein nicht gewachsen fühlte. Früher nannte man das intellektuelle Redlichkeit. Dass es sekundäre Analphabeten, von denen wir heute rumgeschubst und drangsaliert werden, anders nennen, verwundert nicht. Immerhin, mein Lachen können diese stumpfsinnigen Banausen mir nicht nehmen.

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  • Bernd Schwer
    5. Dezember, 2020

    Herrlich, dieser Text, Gratulation!
    Wenn man gerade Orwell (wieder-)liest, das berühmte «1984», dann staunt man schon über gewisse, sagen wir: Ähnlichkeiten.
    Da sitzt Winston, der Held des Romans mit einem Kollegen beim Lunch, beide arbeiten im Wahrheitsministerium, und dieser Kollege erklärt nun begeistert, wohin seine Neusprech-Arbeit führen wird: «Die gesamte Literatur der Vergangenheit wird vernichtet worden sein. Chaucer, Shakespeare, Milton, Byron werden nur noch in Neusprechfassungen existieren, und zwar nicht bloß in verwandelter Gestalt, sondern als Gegenteil dessen, was sie einmal waren. (…) Das ganze Denkklima wird anders sein. Es wird überhaupt kein Denken mehr geben, wenigstens nicht in unserem heutigen Sinne. Orthodoxie heißt: nicht denken, nicht denken müssen. Orthodoxie ist Unbewusstheit.»

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    • Jens Richter
      5. Dezember, 2020

      «Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft.» Schon unsere Enkel wissen nicht mehr, wie Agatha Christies berühmter Roman heißt, denn das «N-Wort» wurde getilgt. Und es werden beileibe nicht nur Romantitel gesäubert. Zum Glück kennen die Idiotinnen Mozarts «Entführung» nicht. Die Oper wäre längst gereinigt oder gleich verboten worden. Vielleicht wird’s Zeit, meine Einspielungen zu verstecken wie Winston sein Tagebuch. Die Zeit ist hässlich.

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  • Cora Stephan
    5. Dezember, 2020

    Alexander Wendt mal so richtig wütend. Das tut gut. Auch wenn das brülldumme Geraunze nicht nur von Frollein Porombka echt schmerzt.

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  • Exilierter Rheinländer
    5. Dezember, 2020

    Sehr geehrter Herr Wendt,
    herzlichen Dank für diesen (wie immer) sehr lesenswerten Artikel.
    Als Käufer (und Leser) antiquarischer Bücher wurde ich an die Vorworte der Klassikerausgaben des sowjetzonalen Aufbau-Verlages erinnert. In diesen wurde immer lang und breit erklärt, warum man XY doch noch gedruckt hatte. Autoren, an denen man nicht vorbeikam, wurden postum zu Genossen erklärt. Dieser Respekt vor dem Werk (oder war es nur die Sorge um die eigene Reputation?) fehlt den Antiautoritären heut komplett. In der Musik sieht es aber auch nicht besser aus. Beim WDR gibt es in der Klassiksparte mittlerweile Expertinnenrunden (denken Sie sich irgendwo dieses Sternchen), die Werkanalysen anbieten, für die es zu meiner Schulzeit schon in Klasse 8 nur noch ein «Ungenügend» gegeben hätte.

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  • Immo Sennewald
    5. Dezember, 2020

    Manchmal bedaure ich, dass ein hochbegabter Autor seine Zeit an Gartenzwerge verschwenden muss, die fordern, sämtlichen Skulpturen der Kunstgeschichte rote oder grüne Zipfelmützen aufzusetzten, aber dann denke ich an Georg Christoph Lichtenberg, Physiker, Philosoph, Schriftsteller der Aufklärung. Seiner spitzen Feder verdanken wir so viel erhellende Kritik – etwa am Unsinn der Physiognomik, die seinerzeit durchaus die Begeisterung schwacher Denker*innen erregte wie heute die Genderei – und bin wieder mal sicher, wer über seine Zeit hinaus einen Platz unter den geachteten Autoren verdient.

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  • Libkon
    5. Dezember, 2020

    Als es noch RIAS und SFB gab, hörte ich Radio, weil es sich lohnte. Der Hörer hatte einen geistig/seelischen Gewinn, fast so, als wenn man sich heutzutage auf einen neuen exzellenten Artikel von Herrn Wendt freut. Heute habe ich Internetradio und höre aus aller Herren Länder Nachrichten, nur nicht mehr die aus «Coronaland» (Propaganda um jeden Preis).

    An anderer Stelle schrieb ich bereits sinngemäß (hier nun mit aktueller Ergänzung): Thomas Mann ist Weltliteratur. Ein Gesamtkunstwerk, da kann ihm NIEMAND das Wasser reichen, auch nicht Frau Döbler. Ich bin in diesem Zusammenhang der Ansicht: Wir als Konservative müssen mehr Haltung zeigen. Welche Haltung? AUFRECHT!

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  • Fritz Baur
    5. Dezember, 2020

    Neuerdings heißt es ja, Journalisten wollten mit ihren Ergüssen in erster Linie ihresgleichen beeindrucken. Diese wohl zutreffende Erkenntnis ist nicht neu, «denn jeder dieser Esel ist dem andern eine Autorität», wie Schopenhauer vor geraumer Zeit feststellte. Auf das Urteil oder gar Wohlwollen des zahlenden Lesers bzw. Hörers kommt es demnach garnicht an. Es reicht, wenn die «andern Esel» – und natürlich die Obrigkeit – zufrieden sind. Das dürfte auch auf den geschilderten Fall zutreffen.

    Im übrigen trifft hier «Brülldummheit» auf ebensolche eines zunehmenden Teils des Publikums: kognitive Konsonanz ist daher großenteils gewährleistet.

    F.B.

    P.S.: Herr Wendt, Ihr Text ist wiedermal ein stilistisch-analytisch-geisterfrischendes Kleinod, herzlichen Dank!

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  • Wolfgang
    5. Dezember, 2020

    Es tut so gut, Artikel wie diesen aus der Feder von Alexander Wendt zu lesen! Er ist Balsam auf die Wunden der Seelen aller dem freien Denken verbundenen Menschen, die den Indoktrinationsversuchen der haustarifvertraglich geschützten, virtuellen Bücherverbrennerinnen sowie Meinungs- und Gesinnungsdiktatorinnen in unseren «Wir-Medien» bisher widerstehen konnten.

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  • Gero Micheler
    5. Dezember, 2020

    Ohne allzu ‘patronising’ klingen zu wollen: Ein hervorragender Text, Herr Wendt. Sie sind ein begnadeter Journalist und Schreiber, und es ist jammerschade, dass Perlen wie diese jenseits neurechter Publikationen für neurechte Leser kaum die gebührende Aufmerksamkeit und Wertschätzung erfahren. Liegt neurechts eigentlich hinter populistisch, aber noch vor rassistisch? In einer Zeit, in der im ÖR nun einmal mit Zwangsabgaben finanziert unterdurchschnittlich intelligente Mensch*innen ausschließlich anderen unterdurchschnittlich intelligenten Mensch:innen das Wort[Klicklaut]in erteilen, ist aber auch nichts anderes zu erwarten. Meines Erachtens haben zwei Weltkriege so viele fähige Chromosomen im westlichen Genpool zerstört, dass mittelfristig mit einem Erstarren der Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus als egalisierende und unterdrückende Kleinbürgerreligion zu rechnen war. Ein Traum für die Schlauen, die daraus ihren Nutzen ziehen, ein Albtraum für die Intellektuellen, die daran zu Grunde gehen. Der gierige Neoliberalismus hat die Dümmlichen auf Kosten der anderen zu seinem Vorschlaghammer gemacht, zur Gratisbelohnung dürfen sich die Dümmlichen dafür im ÖR, in den Schulen, den Unis, der Politik und teils im öffentlichen Dienst propandawirksam austoben. DDR und Faschismus lassen grüßen. Qui bono und follow the money.

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  • Gustav
    5. Dezember, 2020

    Hoffentlich lesen die Deppen vom Deutschlandfunk diese Kritik und es trifft sie in ihrer Empörung der Schlag. Aber so ist das, wenn man einhundert Jahre lang die Verbrechen des Kommunismus verniedlicht, aus Gulags Feriendörfer macht, hat man am Ende wieder stolze und hypermoralische Marxisten, die sich zu Anklägern und Richtern über alle Andersdenkenden erheben. Massenmorde sind dann auch wieder nur Kollateralschäden für eine bessere Welt.

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  • Reno Schmittchen
    5. Dezember, 2020

    Wolfgang Herrndorf wird man – zumindest noch für geraume Zeit – verschonen. Er bewegte sich persönlich und virtuell in einer Blase mit Zentrum Berlin, deren verbliebene Mitglieder heute überwiegend das intellektuelle Lumpenproletariat bilden, das sich besonders lautstark gegen «Rechts» positioniert, bekannt von Funk, Buchremittenden, Fernsehen und Bühne. Ich weiß das nur zu gut, vor meinem geistigen Erwachen war ich selber Teil der Blase. Herrndorf war beliebt und geachtet in diesen Kreisen, zudem war man natürlich mächtig stolz darauf, in den eigenen Reihen jemanden zu haben, der es über das Produzieren strunzdoofer Elaborate für Funk, Fernsehen, Bücherkiste und Bühne hinaus zu etwas gebracht hat. Daher wird man sich so bald nicht an ihm vergreifen.
    Was den DLF angeht: An den denke ich voller Wehmut jedes Mal zurück, wenn ich Burghard Müller-Ulrich bei indubio höre. Ich habe nur ein altmodisches Radio, bei dem man den Sender per Drehknopf wählt, und wenn ich daran schraube, gerate ich ab und an auf die DLF Frequenz. Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass es nie länger als eine Minute dauert, bis die Oberkante meiner Leidensfähigkeit erreicht ist. Zum Glück lebe ich im Ausland; der Gedanke, dafür auch noch bezahlen zu müssen, hätte mich sonst längst zur Emigration bewegt.

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  • Thomas Schweighäuser
    5. Dezember, 2020

    Der Deutschlandfunk hat, wenn man ein wenig recherchiert, Frau Maron ebenso zu Wort kommen lassen wie Kritiker der Trennung, die der Fischer-Verlag vollzogen hat, z.B. Jörg Magenau. Dass Herrndorf Thomas Mann gerne gelesen hat, mag ja stimmen, das macht «Buddenbrooks» aber nicht zu einem sakrosankten Gipfel der deutschen Literatur. Und die Parallelen zwischen Mann einer- und Maron andererseits wirken, gerade im Hinblick auf die Qualität ihrer Texte, etwas gewagt. Um es vorsichtig zu formulieren.

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    • Publico
      6. Dezember, 2020

      Sehr geehrter Herr Schweighäuser,

      Sie schreiben an dem Punkt des Textes vorbei. Es geht nicht darum, dass der Deutschlandfunk Monika Maron und Jörg Magenau „zu Wort kommen“ lässt, und die Hervorbringungen einer Katharina Döbler oder einer Wiebke Porombka ein Gegenstück dazu bilden würden. Zwischen den beiden einerseits und andererseits gibt es keine gemeinsame Ebene. Bei Döbler und Porombka fehlt ganz einfach die handwerkliche Fähigkeit, sich überhaupt mit Literatur analytisch auseinanderzusetzen. Beide sind ideologische Reflexautomaten. In einem öffentlich-rechtlichen Sender, der seinen Namen verdient, haben beide nichts verloren.
      „Dass Herrndorf Thomas Mann gerne gelesen hat, mag stimmen“ – ach was? Darum geht es aber weder in seiner Notiz in „Arbeit und Struktur» noch in meinem Text. Er lässt sich nicht darüber aus, was er „gern liest“, sondern zeigt, was es bedeutet, sich analytisch mit einem Text auseinanderzusetzen. Denn das wiederum ist die Voraussetzung, um seine Qualität überhaupt zu beurteilen. Und „sakrosankter Gipfel der deutschen Literatur“: wo haben Sie das her? Weder bei Herrndorf noch bei mir kommt das wörtlich oder sinngemäß vor. „Sakrosankt“ in Bezug auf Literatur wäre auch eine seltsame Begriffsverwendung.
      Ihre Wortwahl deutet auf Ihr grundsätzliches Problem: Sie schreiben meinen Text schon im Kopf um, bevor Sie darauf antworten. Das zeigt auch Ihre seltsame Behauptung, ich würde „Parallelen“ (also gleich im Plural) zwischen Mann und Maron ziehen. Wie kommen Sie darauf? Was in beiden Fällen einander gleicht, ist die Unfähigkeit von Mitarbeiterinnen des Deutschlandfunks, mit deren Literatur umzugehen. Daraus ergibt sich noch lange keine Parallele zwischen beiden. Vielleicht sollten Sie nächstens eher langsam als vorsichtig formulieren, und sich immer fragen, auf welchen Text Sie sich eigentlich beziehen.

      Alexander Wendt

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      • Grand Nix
        7. Dezember, 2020

        Die Damen Katharina Döbler und Wiebke Porombka, sollten fleißiger an Ihren Werken und Worten dengeln, als mit ihrer Haltung quengeln. Auch dieser tönerne «Glockenklang» jener stets bemühten Halbdenker*___ und Hablkünstler*___ wird irgendwann folgenlos verhallen. Mann übe sich nur ein wenig in Geduld.

        Wer möchte schon eine weitere Epoche eines moralinsauren und altjungfernhaften Deutschlands miterleben, wie einst der große Dichterfürst?

        Die zaghafte Katze kommt, so scheint es, endlich vom heißen Blechdach runter, und wandelt, nun als Fuchs verwandelt und gestählt, mutig durch die Untiefen des Märchenwalds.

        Wahrlich, da sitze ich nun, mit großen Augen und offen Mund – und staune.

        War doch gar nicht so schwer, Herr Wendt, die Narrenkappe der Narrinnen und Narren mal ordentlich zu stutzen, oder?

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  • F. Auerbacher
    5. Dezember, 2020

    Wenn nicht «Alexander Wendt» als Autor gezeichnet hätte, hätte ich diesen Artikel nicht gelesen. Literatur interessiert mich nicht. Aber Wendt steht für intellektuellen Hochgenuss beim Lesen, egal welches Thema gerade abgehandelt wird (volle Zustimmung Herr Meyer, ich glaube auch, dass er genauso spannend über Staubsaugerbeutel schreiben könnte). Ich wurde nicht enttäuscht. Brillant! Leider etwas ausfällig an manchen Stellen, aber das kann ich nachsehen, wegen der unübertrefflichen Metaphorik, der Argumentationslogik mit der Zwanghaftigkeit einer Kniehebelpresse und des ätzenden Sarkasmus als die einzig angemessene Reaktion auf gewisse Zeiterscheinungen.

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  • Starhemberg
    5. Dezember, 2020

    Da diese Regierung ja plant, die nächsten Jahre zusätzliche 1000 Millionen Euro an Steuergeld für den «Kampf gegen Rräächts» bereitzustellen, werden Frau Dödl_er und Frau Prolo_mka also auch die nächsten Jahre weiterhin gutbezahlt ihren poststrukturellen Gedankenschaum in die diesbezüglich bedauernswerte Umwelt rotzen können, dürfen und sollen. Aber es tut mir und meiner angegriffenen Seele gut, zu sehen, wie Sie, Herr Wendt, so großartig und wortmächtig dagegenhalten. Wie mein Großvater zu sagen pflegte, aufgeben tun wir nur einen Brief. Und sonst nichts.

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    • Bruno Koslovski
      6. Dezember, 2020

      Oder wie meine Oma immer zu sagen pflegte: «Vermögen ist das Gegenteil von Unvermögen», heute aber nur noch bedingt wahr, leider…..

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    • Jaspers
      6. Dezember, 2020

      Eventuell geht’s ganz schnell…..ich habe schon als Kind Geldscheine mit der Aufschrift Eine Milliarde im Küchenschrank meiner Oma gefunden.

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  • Jörg Plath
    6. Dezember, 2020

    Nun ja, die Chefredakteurin des DLF fabuliert in der Eigenwerbung der Senderkette von «Haltung» und der DLF gehört zu den größten und teuersten Anstalten der Republik. Weist man diese Sender darauf hin, dass sie verpflichtet sind neutral und ausgewogen zu berichten und nicht etwa dazu, linke Propaganda zu veranstalten, bekommt man regelmäßig arrogante Belehrungsantworten, warum sie sich auf der richtigen Seite wähnen. Diese Sender sind hoffnungslos links unterwandert und niemand geht dagegen vor, außer verbal die wütende AfD. Wer kann dort endlich mal ausmisten? Es stinkt so erbärmlich mittlerweile…

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  • Dr. Michael Holz
    6. Dezember, 2020

    Auffallend agitieren Frauen in unserer Zeit negativ ätzend. Ist das nur «die gestörte, rassistische Wahrnehmung» eines alten weißen Mannes? Ich glaube nicht!
    Ich kann einigen Vorkommentatoren beipflichten: Uns war in der DDR der Deutschlandfunk ein Lichtblick. Heute würde ich diese Sendeanstalt mit dem englischen Lehenswort «Shithole» bezeichnen.

    Danke für Ihren Beitrag Herr Wendt!

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  • Otto Jägermeyer
    6. Dezember, 2020

    Unmaßgebliche Beobachtung am Rande: Genau in diesen Tagen schlägt auch Douglas Murray einen schärferen Ton an. Wendt und Murray – zwei der meines Erachtens intelligentesten Journalisten unserer Zeit. (Und ich befürchtete schon, dass „intelligenter Journalismus“ eine contradictio in adjecto sei.) Beide geistig unabhängig, mutig, gebildet, sensibel, sprachgewandt und mit messerscharfem Urteilsvermögen begabt treten gegen Links-Identitäre, lauwarme Konformisten und woke supremacy an. Und beide verlieren jetzt die Geduld. Sie sehen klarer als die meisten Zeitgenossen, wieviel auf dem Spiel steht. Ein Kulturkampf, auch wenn der historische Vergleich hinkt, lässt sich nicht mehr vermeiden, und man sollte auch gar nicht versuchen, ihn zu vermeiden. Ich glaube, da bewegt sich etwas.
    Danke, Herr Wendt. Spende ist unterwegs.

    P.S.: Folks, you dislike state media? Put your money where your mouth is.

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  • Jaspers
    6. Dezember, 2020

    Lieber Herr Wendt, das sind wunderschöne Perlen für die Säue! Lohnt sich das?
    Sind solche geistlosen Gartenzwerge die vergeudete Lebenszeit wert? Zu DDR Zeiten gab es die FDJ Zeitung Junge Welt, und einen armseligen Schmierfinken und Hetzer namens Stengel, welcher damals im gleichen modrigen zeitgeistigen Fahrwasser unterwegs war. An dieser Niete habe ich mich damals abgearbeitet. Völlig sinnlos! Trotzdem herzlichen Dank für den wunderschönen Text, obwohl es die Dame nie wert war.
    Den besagten Herrn Stengel kennt heutzutage keine
    Sau mehr!!!

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    • T.Löhner
      7. Dezember, 2020

      Herr Wendt schreibt seine wunderschönen Perlen doch nicht für Säue und geistlose Gartenzwerge, sondern für uns, seine Leser. Ich denke nicht, dass Herr Wendt diese grausam dilettierende DLF-Haltungsjounalistin mit seinem hervorragenden Artikel glaubt beeindrucken, belehren oder gar «bekehren» zu können. Als linke feministische Haltungsjournalistin dürfte sie gegen Kritik jeglicher Art, insbesondere von «alten weißen Männern», völlig immun sein («alt» bitte nicht wörtlich nehmen). Alles andere würde mich wundern.

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  • Materonow
    7. Dezember, 2020

    Auf dem Weg in die linke Extreme wird die Bahn stetig abschüssiger, bis man ganz unten bei Sudel-Ede aufprallt!

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  • alacran
    7. Dezember, 2020

    Es stehen 1000 Millionen Euro für den K(r)ampf gegen «(neu) Rechts» zur Verteilung an!
    Die woken «Haltungwartinnen» werden wie Pilze aus dem Boden schießen, denn das arttypische Gesinnungs-Mycel ist im Siedlungsgebiets reichlich vorhanden.
    Dass mir für die Geisteskäfighaltung von Journos
    as, die (nicht nur) zur Literatur ein Verhältnis haben wie «Trichinenbeschauer zur Kochkunst», drei mal die «Demokratieabgabe» abgepresst wird, das ärgert mich ungemein!

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  • Jürgen
    7. Dezember, 2020

    Die sogenannten Journalisten des ÖR haben nichts mehr anzubieten. Nicht nur, weil es an Talent, Originalität und analytischen Fähigkeiten mangelt. Berichten sie, werden sie eine Stunde später im Internet korrigiert. Kommentieren sie, finden sich etliche Kommentare zum Thema, die besser sind als ihre. Sie haben NICHTS. Und deshalb einigen sie sich, Haltung zu verkaufen. Die zielt aufs Gefühl, nicht auf den Verstand. Haltung ist ihr Produkt. Damit ist man niemals einsam. Damit erhalten die Leser Eindeutigkeit, etwas so Schönes in diesen unübersichtlichen Zeiten. Das Problem ist: Das Produkt Haltung lässt sich auf Dauer nur verkaufen, wenn es immer besser schmeckt. Immer rabiater und aggressiver muss sie werden, die Haltung. Und zur Abwehr dieser Gefahr müssen Haltungsjournalisten gestoppt werden.

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  • Werner Bläser
    7. Dezember, 2020

    Es wäre doch schön, wenn jemand, der besser schreiben kann als ich, mal eine Satire über die Wiebke Porombkas dieser Welt schreiben würde. Etwa unter dem Pseudonym «Hiebke Korompka» könnte man dann Literaturkritiken von Klassikern lesen, etwa zu Cervantes’ ‘Don Quixote’ (absolut rassistisch etwa in der ‘Erzählung des Gefangenen’), Shakespeare’s ‘Der Widerspenstigen Zähmung’ (eine offensichtliche Eingebung des antifeministischen Teufels), Herman Melville’s ‘Moby Dick’ (absolut gleichgültig gegenüber dem Tierwohl). Auch die Bibel müsste natürlich nochmal auf den Seziertisch. Man stelle sich vor, da gibt es keinerlei positive Erwähnung von LGBT! Eher klingen da übelste Vorurteile in der Erzählung von Sodom und Gomorrha an! Und vieles mehr. Auf den Scheiterhaufen mit diesem Schund!

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    • Jaspers
      7. Dezember, 2020

      Nur Geduld!
      Das kommt noch, allerdings absolut ernst gemeint. Da unterschätzen Sie mal unsere urdeutschen Wiebkes und Kevins (m w d) nicht. Wie lautet der Titel dieses schönen Textes? Und die Talsohle wird noch sehr lang. Den Glauben an den neuen Menschen, bzw deren liebevolle Umerziehung, den Endsieg, Wunderwaffen ,etc. lassen sich solche ambitionierten Gartenzwerge nicht so schnell nehmen.
      Das hat uns die deutsche Geschichte gelehrt!

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      • Werner Bläser
        9. Dezember, 2020

        Ich weiss nicht, ob folgende Erwartung tröstlich sein kann: Als nach dem Ende des römischen Reiches die Kultur verprimitivierte (und, obwohl ‘en vogue’ unter Historikern, das lässt sich nicht bestreiten, man betrachte nur den zahlenmässigen Niedergang der Produktion von Schriftquellen oder das nahezu vollständige Ende der Bautätigkeit im römischen Stil), da verarmte auch die Gesellschaft. Die Städte wurden kleiner, es wurden weniger Reichtümer angehäuft, die Gesellschaft disintegrierte sich allem Anschein nach.
        Ich befürchte, nein ich hoffe, dass das auch Deutschland blüht. Eine verblödete Gesellschaft wird nicht wirtschaftlich erfolgreich sein – sie wird verarmen, in jeder Hinsicht.
        Vielleicht braucht unser «wokes» Land diese Rosskur. So, wie der Kommunismus den wirtschaftlichen Ruin brauchte, um sich endgültig abzuwickeln.

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  • Dr. Gottfried Köppl
    7. Dezember, 2020

    Lieber Herr Wendt, Sie erinnern mich in Ihrem Kampf gegen die Dummheit an Don Quichote, der gegen die Propagandaflügel drehenden Windmaschinen anrennt. Aber einer muss es schließlich machen, und Sie haben das sprachliche Können, um ein Karl Kraus des 21. Jahrhunderts zu werden. Aber selbst im stinkenden Misthaufen DLF gibt es noch die eine oder andere kleine Perle: In der Reihe «Die neue Schallplatte» am Sonntag Morgen gibt’s einen Musikkritiker (Name leider vergessen), der tatsächlich etwas hört. Wenn ich nicht die ganze andere Propaganda mit bezahlen müsste, würde ich dafür sogar bezahlen. So wie jetzt Ihnen mit bestem Dank.

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  • Weidmann
    9. Dezember, 2020

    Sie sezieren das Angebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie der Pathologe des gerichtsmedizinischen Instituts einen in Verwesung befindlichen Leichnam. Ja, die Analyse ist korrekt, alles stimmt. Die Frau Porombka ist ein hohle Nuss, die sich zum Elefanten aufbläst und dabei Dreck auf unbescholtene Mitmenschen wirft, nebenbei fett kassiert.
    Der Deutschlandfunk ist ein potemkinsches Dorf der Information und Kultur.

    Allein, was ich mich frage, auch selbstkritisch, wenn ich das hier lese, warum wühlen Sie oder ich in diesen Abgründen menschlicher und gesellschaftlicher Existenz?
    Ist es nicht so, als ob man dem Häscher eines saudischen Despoten beim Zersägen eines Demokraten zusieht?
    Warum macht man sowas?

    Auf der anderen Seite, Menschen werden ermordet, also braucht es Gerichtspathologen, die die Leiche sezieren.
    Wiedergänger realsozialistischer Literaturkritiker agieren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und entblöden sich selbst zur Fratze, ja bis zur Unkenntlichkeit des Menschlichen. Die SED-Juristin Wille missbraucht den Rundfunk zur Propaganda und ihrer Bereicherung.

    Irgendjemand muss sich und seine Lebenszeit hergeben, das zu analysieren, den üblen Dreck zu benennen, egal wie abstossend es ist, weil es beschämen würde, dazu zu schweigen.

    Danke, dass Sie Ihre Mühe und Zeit hergeben, dem Unbehagen an diesen Verhältnissen Ausdruck zu geben.

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  • Gastino
    9. Dezember, 2020

    Oft wurde in Frage gestellt, ob es lohnenswert ist, sich an der offensichtlichen Dummheit und Boshaftigkeit abzuarbeiten. Für mich kann die Antwort nur «ja» lauten. Diese Leute sind ja nur an diese Positionen gekommen, weil ihnen zu wenig Widerspruch und Widerstand entgegen trat. Und die wird man nur wieder los, wenn man sich deutlich gegen ihre Dummheit und Boshaftigkeit positioniert. Von selber gehen die nicht wieder weg, denn woanders braucht die auch niemand.

    Der DLF ist für mich der deutlichste Indikator für den Abstieg des deutschen Rundfunks. Bis vor einigen Jahren habe ich den noch sehr gern gehört, jetzt tritt oft schon nach wenigen Sekunden, manchmal Minuten eine Art Abscheu und Fassungslosigkeit bei mir ein, angesichts der bräsig-ideologischen Schwätzerei da.
    Mit zunehmender Ideologie kam der intellektuelle Abstieg. Man fragt sich immer wieder, ob die da alle ausgetauscht wurden oder sich Stifte in die Nase geschoben haben.

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  • Katja
    23. Dezember, 2020

    Das Lesen Ihrer Artikel ist eine wahre Wonne – und die Lektüre dieses Artikels hat besonders Spass gemacht.
    Bin im Auto (Diesel, 12 Jahre alt!) seit längerem von den Kültürsendern auf Antenne- und RTL-Frequenzen umgestiegen, die liefern die besten Hits vergangener und gegenwärtiger Zeiten, ohne Unterbrechung von bedeutungsschwangeren Worthülsen und wenig verhüllten sinnentleerten Erziehungsversuchen der woken Schreiber- oder, hier besser, Ansagerzunft.
    Kaufe mir auch wieder CDs (z.B. Herrndorf, Maron oder Mann als Hörspiel) um Alternativen zu den besten Hits der … Jahre zu haben und um ja nicht (!) auf DLF and the like zu landen.

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  • Wiesler
    25. Oktober, 2022

    «Zur Literatur unterhielten diese Beurteilungsschreiber ein ähnliches Verhältnis wie Trichinenbeschauer zur Kochkunst. »

    Dafür vielen Dank, ein Volltreffer & ich werde spenden….

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Original: Die Talsohle der Blödheit

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