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Politik, Gesellschaft & Übergänge

Vorsicht, seitliche Umarmung

Original post is here eklausmeier.goip.de/wendt/2019/02-vorsicht-seitliche-umarmung.


Alice Weidel herzte Henryk Broder. Qualitätsjournalisten nutzen das Ereignis, um die Nähe des Journalisten zur Politik zu kritisieren. Zu Recht. Die Debatte ist überfällig

Von Alexander Wendt / / medien-kritik / 24 min Lesezeit

Das, was Henryk M. Broder vor kurzem im Sitzungssaal der AfD-Bundestagsfraktion von Seiten der Vorsitzenden Alice Weidel erlebte, als er dort einen Vortrag hielt, war eine beidarmige seitliche Umarmung, die so genannte uni- und überhaupt laterale Akkolade. Broder beschrieb auf Meedia, wie die Szene sich abspielte, die jetzt für ihn zum Tribunal wird:

„Wie das Bild zustande gekommen ist, kann ich Ihnen genau sagen: Ich kam in den Saal, ging in eine Ecke, legte meinen Mantel ab und zog meine Mappe mit Notizen heraus. Da kam Frau Weidel auf mich zu und nahm mich in den Arm. Ich war überrascht, denn das passiert einem 72-Jährigen selten, dass ihn eine junge Frau spontan umarmt. Ich hatte offenbar nicht den nötigen ethisch-moralischen Widerstand dagegen entwickelt.“

Das Foto durchquerte einmal die so genannten sozialen und sonstigen Medien. Es gab eine so genannte Aufregung, weil sich durch das ikonische Bild, wie viele Journalisten schrieben, eine unziemliche, ja fremdschamfördernde Nähe von Medien (Broder) und Macht (Weidel) offenbaren würde.

„Broder kuschelt mit der AfD“, twitterte der Journalist Krsto Lazarevic über das Foto, das zeigt, wie AfD-Fraktionschefin Weidel mit Henryk Broder kuschelt.

Unter ARD-Faktencheck- beziehungsweise Correctiv-Verhältnissen gäbe es dafür das Prädikat „irreführend“ („obwohl eindeutig das Gegenteil zu sehen ist, behauptet L., der sich auf einschlägigen linken Plattformen wie Jungle World tummelt“ etc.).

Zu einem echten Fake-News-Rang reicht es bei dem Mitarbeiter der Berliner Zeitung Markus Decker, der auf Twitter kommentiert beziehungsweise folgendes Virtue signalling betreibt:

„Henryk M. Broder ist mit dem Satz seiner Eltern groß geworden: ‚Wir haben für dich das KZ überlebt’. Jetzt liegt er in den Armen einer Partei, die das Holocaust-Mahnmal als Schande bezeichnet. Es ist nicht zu fassen.“

Jedenfalls nicht für Markus Decker. Schön, dass auch noch einem 72jährigen wie Broder ein erziehungsberechtigter Qualitätsjournalist zugeteilt ist. Allerdings bezeichnete nicht die Partei AfD das Holocaust-Mahnmal als Mahnmal der Schande, sondern deren thüringischer Landesvorsitzende Björn Höcke, in dessen Armen wiederum Henryk Broder auch unter widrigen Umständen nicht gelandet wäre. (Wobei die entscheidende und hochgradig angreifbare Formulierung in Höckes Rede seine Forderung nach einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ war, was den meisten Journalisten damals aber nicht ausreichend griffig erschien. Im Jahr 2015 schrieb ein Reporter der „Berliner Morgenpost“ übrigens in einem alles in allem guten Text:

„Teilnehmer erinnern sich, dass Kohl bei der Einweihung der gestalteten Neuen Wache im Jahr 1993 mit Ignatz Bubis sprach. Vermutlich hat er ihm ein Mahnmal für die Juden versprochen. Aber ein Denkmal für die Schande, das war Neuland“.)

Aber einen wirklich toxischen Satz in einer Höcke-Rede aufspüren, das ist ungefähr so anstrengend wie die Feststellung, wer auf einem Foto gerade wen umarmt. Und wenn ein Exeget es tatsächlich feststellen sollte, dann würde er auch entdecken, dass sich das Ergebnis wiederum schlecht für Twitter eignet.

Holger Stark von der ZEIT jedenfalls twitterte, worum es ihm (und anderen Kollegen) ganz grundsätzlich geht: um die Nähe zur Macht, die sich für einen Journalisten in der Bundesrepublik Deutschland einfach nicht gehört:

„So sieht also die viel beklagte Nähe von Journalisten zu Politikern aus. Der Journalist als Stichwortgeber, Arm in Arm mit der Politik. Ich kann mich an kein Foto eines Journalisten erinnern, für das ich mich mehr geschämt hätte.“

Ein Journalist beziehungsweise eine Journalistin als Stichwortgeber*in der Politik – da sei Anne Will Seite an Seite mit Sandra Maischberger vor.

Ein Glück, dass Holger Stark ein viel früheres Sündenfoto von Henryk Modest Broder offenbar durch die Schamlappen gegangen war:

Und erst recht dieses Dokument, wobei der Betrachter schon wissen muss, wer sich beim Halloween-Empfang des amerikanischen Botschafters Richard Grenell neben der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli unter dem kleinen Schwarzen verbirgt: einer der beiden Herren oben. Und zwar der mit dem Bart.

Nun heißt es zu Recht: es soll der Spielmann nicht mit dem König gehn. Eine einseitige Umarmung durch die Fraktionschefin einer Oppositionspartei rangiert allerdings in einer anderen Liga als beiderseitiges Indenarmfallen zwischen dem Kolumnisten einer nicht mehr großen, aber größeren Illustrierten und der Politikerin einer Partei, die von 1998 bis 2005 im Bund und bis heute in etlichen Ländern mit- und mental eigentlich Deutschland regiert:

Hauptsache, Geist resp. Journalist auf der einen und Macht auf der anderen Seite begegnen einander auf Augenhöhe. Was allerdings nicht durchweg der Fall ist, wie ein bisher zumindest für Krsto Lazarevic, Markus Decker, Holger Stark und viele andere offenbar unbekanntes Foto belegt:

Das Bild zeigt den Moderator einer RBB-Sendung namens Jörg Thadeusz als Teilnehmer einer CDU-Wahlkampfveranstaltung im Jahr 2017. Seine Sendung ließ er seinerzeit nicht ruhen. Völlig zu Recht, denn der Unterschied ist, wie es heute in Redaktionskonferenzen heißt, etwas für Feinschmecker.

Spielmann und Königin: da gibt es sogar noch etwas aus den dunkelsten Zeiten, das die meisten Zeitzeugen bis heute vergeblich zu vergessen versuchen. Und das, obwohl der betreffende Journalist noch nicht einmal als Stichwortgeber Erfolg hatte:

Wer wissen will, wie milde Fremdscham aussieht: einfach das Gesicht der Dame in Gelb studieren.

Es ist, so dachte sie möglicherweise, nicht zu fassen.

26 Kommentare
  • Emmanuel Precht
    2. Februar, 2019

    Was mich am meisten ankotzt in dieser völlig verbunteten Republik ist die Doppelmoral, die all jene wie eine Monstranz mit sich rumtragen. Wohlan…

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  • The Angry Ossel
    2. Februar, 2019

    Tja. Quod liced iovi non licet bovi kann zu der mittlerweile wie selbstverständlich vorgelebten Hybris der Gutmenschen aus der (mehrheitlich west)deutschen Provinz wohl nur noch sagen.

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  • Steffen Lindner
    2. Februar, 2019

    Danke für den Fakten-Check,mit dem Sie wieder einmal die Pharisäer in der deutschen Medienlandschaft entlarven! Besonders das Bild «Spielmann mit Kanzlerin» erinnert an die tiefen Diener, die so manch einer in schlimmer Vorzeit vor dem damaligen Reichskanzler machte…

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  • Manfred Schneider
    2. Februar, 2019

    …absolutes Highlight: Heulsuse und schmieriger Merkel-Fan Jörges mit weiblichem Türken-Fan in trauter Zweisamkeit! Danke Herr Wendt – You made my day! Top-Investment, meine Spende!

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  • Dieter Graber
    2. Februar, 2019

    Ein sehr guter Beitrag über die linken Heuchler in den Redaktionsstuben der deutschen „Qualitätsmedien“.
    Es genügt bisweilen schon, mal ins Archiv zu steigen, um diese Pharisäer zu entlarven.

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  • Stephan
    2. Februar, 2019

    Eine vortreffliche Auswahl peinlicher, aber eben auch aussagefähiger Bildwerke zum Thema «Presse und Obrigkeit». Mir gefällt das Foto mit Herrn Jörg Thadeusz ganz besonders. Es hat die Chance zu dem zu werden, was man in der Fotogeschichte eine «Ikone» nennt. Glückwunsch dem Fotografen, der sekundengenau den Moment der Verschmelzung geistesferner Devotheit und herschaftlicher Huld zu bannen wusste. Hier gilt in der Tat : ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

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  • Dreggsagg
    2. Februar, 2019

    Schockschwerenot!
    Dat is ja nu ‘n Dingens, wat JAAANICH jeht.
    Haben die rotbunten Moralwächter keine anderen Sorgen, als sich um eine Umarmung aufzuregen?

    Man faßt es nicht!

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  • Bernd Zeller
    2. Februar, 2019

    Die Wut auf HMB ist nur die Deckemotion.
    Was unser Presse- und Politikrudel gemeinsam schäumen lässt, ist auf der vom Betrachter aus links von ihm zu sehen: Da ist eine junge Frau, ein wirklich nettes Mädchen. Freundliche natürliche Ausstrahlung, kein bisschen claudiarothesk oder renatekünastig. Einfach normal.
    Und so darf der politische Gegner nicht sein.

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  • Anne
    2. Februar, 2019

    Sehr geehrter Herr Wendt,
    danke für Ihren Beitrag, insbesondere für die Entlarvung derjenigen, die zwar richtigerweise darauf hinweisen, dass sich eine Nähe zur Macht für einen Journalisten nicht gehört, jedoch genau diesen Grundsatz selbst fortwährend mit Füßen treten.
    M. E. hat Herr Höcke aber in seiner Dresdener Rede das Holocaust-Mahnmal nicht als Schande bezeichnet, wie das dann später ausgelegt wurde. Denn gesagt hat Herr Höcke: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.» (vgl. u. a.: https://www.zeit.de/news/2017-01/18/parteien-die-hoecke-rede-von-dresden-in-wortlaut-auszuegen-18171207)
    Für mich ist die Botschaft dieses Satzes: Das Denkmal erinnert an eine Schandtat der Deutschen, nicht aber, dass die Errichtung des Denkmals selbst eine Schandtat darstellt. Herr Höcke hätte allerdings zugegebenermaßen zur Vermeidung sämtlicher späterer Unterstellungen, mit denen er rechnen konnte, seine Worte besser auswählen können und auch müssen. Mit der Formulierung «… ein Denkmal seiner Schande …» wäre die Auslegung dahingehend «das Holocaust-Mahnmal selbst ist eine Schande» vermeidbar gewesen.

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    • dentix07
      2. Februar, 2019

      Ich denke Höcke – er ist Deutschlehrer – hat ganz bewußt genau so formuliert. Er hat mit seiner Formulierung zwei Interpretationsmöglichkeiten angeboten und durch die Bank wurde sofort nur eine gesehen, womit er im Grunde die Geisteshaltung der «Interpretierer» bewies!
      Und sie haben es nicht gemerkt!

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  • johannes
    2. Februar, 2019

    Das Bild ist natürlich eine Steilvorlage für alle die, die den Splitter im Auge des anderen sehen, aber den Balken im eigenen Auge nicht. Und wer will schon vor der eigenen Tür kehren; das wirbelt viel zuviel Staub auf.

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  • Plutonia
    2. Februar, 2019

    Offenbart denn die ölige Ode an die Kanzlerin aus der Feder der ZEIT-Journalistin Jana Hensel die von den «Qualitätsmedien» gewünschte Distanz zu Politiker*innen? Verweist Frau Hensels salbungsvolle Verehrung der Kanzlerin nicht auf eine gewisse «Nähe zur Macht»? Oder hat diese Journalistin ihre persönliche Begeisterung – ihr «Angela-Merkel-Gefühl» – «privat» in der ZEIT veräußert? Hat sich Holger Stark von der ZEIT denn auch für Jana Hensels Ausführungen geschämt? Ach ja, Jana Hensels veräußerte «Nähe zur Macht» war ja nicht in ein Foto gebannt, sondern in Buchstaben gegossen. Das machte dann wohl den Unterschied, verstehe…

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  • M. Schneider
    2. Februar, 2019

    Vielen Dank für Ihre Darstellung, die einmal mehr die Heuchelei und Doppelmoral in Deutschland mehr als deutlich offenbart. Selbstverständlich war das ganze Theater vorauszusehen, Mainsstreammedien und Politik wären froh, wenn sie endlich etwas fänden, diesen geistreichen, kritischen und mutigen Journalisten (und sicher noch andere), der immer den Finger in die Wunde legt (sei es u.a. bei seiner Achse oder in der WELt) , endlich durch Rufschädigung von der Bühne verschwinden lassen zu können. Vermutlich stehen alle Nicht-Mainsstream-Medien auf der Beobachtungs- und Abschussliste, denn die ständig steigende Anzahl ihrer Leser ist allen anderen ein Dorn im Auge.

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  • kdm
    2. Februar, 2019

    Hat der H. wirklich das Mahnmal als Schande bezeichnet,
    oder doch eher – und dann korrekt – als «Mahnmal der Schande» ?

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    • Fantomas
      3. Februar, 2019

      Das Thema müsste doch eigentlich durch sein. Kein anderer als Rudolf Augstein himself sprach hier von einem Mahnmal der Schande.

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  • Marcus K.
    2. Februar, 2019

    «toxischer Satz» – hm, das ist doch Neolinkensprech. Passen Sie auf, selbst wenn es als ironisches Zitat gemeint ist, es sind letztlich diese kleinen Dosen Gift, die unmerklich ins eigene Sprechen und Denken eindringen. Diese «toxisch»-Rede beruft sich auch nicht auf Klemperer (weder als Stichwortgeber, noch sachlich; sachlich schon gar nicht, er meinte ja was völlig anderes), sondern kommt von dem «toxic»-blabla der amerikanischen liberals.

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  • Wolfgang Illauer
    2. Februar, 2019

    Zu Markus Deckers Twitter-Kommentar: Mir ist völlig unverständlich, warum es so schlimm sein soll, wenn jemand (es war Höcke, nicht die Partei) das Holocaust- Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet. Denn es ist doch völlig klar, daß Höcke in seinem Satz „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat“ mit dem Wort „Schande“ den Holocaust gemeint hat. Wieso ist es schlimm, wenn jemand den Holocaust als Schande, nationale Schande bezeichnet?? Das stimmt doch!

    Höcke hat, so lautet jetzt wohl die Erwiderung, das Denkmal selbst als Schande bezeichnet, das Denkmal oder Mahnmal selber sei eine Schande. Hätte er es wirklich so gemeint, dann wäre das in der Tat die unverzeihliche Äußerung eines rechtsradikalen Bösewichts und Idioten, eines Menschen, der den Holocaust entweder leugnet oder gar, was unendlich schlimmer wäre, gutheißt.

    Aber so hat es Höcke nicht gemeint, die deutsche Sprache und Grammatik verbietet diese Interpretation. Der Genetiv nach „Denkmal“ bedeutet grundsätzlich immer das, woran das Denkmal erinnert, und nicht das Denkmal selbst. Beispiel: Ein Denkmal des Sieges (das Denkmal ist kein Sieg, sondern erinnert an den Sieg), Denkmal der gefallenen Soldaten (das Denkmal besteht nicht aus gefallenen Soldaten, sondern erinnert an gefallene Soldaten), ein Denkmal der Liebe (das Denkmal selber ist keine Liebe, sondern erinnert an sie).

    Daß Höcke mit dem Wort „Schande“ nicht das Denkmal selbst gemeint haben kann, sondern ein schändliches Verbrechen des eigenen Volkes, zeigt nicht nur die Tatsache, daß er den Holocaust nicht leugnet oder gar gutheißt, sondern auch der Kontext. Nur so nämlich ergibt der oben zitierte Satz einen brauchbaren Sinn: „Kein Volk hat sich mitten in seine Hauptstadt ein Denkmal gepflanzt, das an ein schändliches, von ihm selbst begangenes Verbrechen erinnert.“ Die Aussage „Kein Volk hat sich mitten in seine Hauptstadt ein Denkmal gepflanzt, das eine Schande ist“ wäre seltsam, unverständlich und sinnlos.

    Dem völlig harmlosen Satz Höckes kann man natürlich widersprechen, und ich widerspreche ihm: Der Holocaust war derart grauenhaft, daß die Erinnerung an ihn gerade in der Hauptstadt aufrechterhalten werden muß, und wenn wir das einzige Volk sind, das ein solches Denkmal in seiner Hauptstadt aufstellt, dann ist das eher ein Ruhmestitel. Und was andere Völker betrifft: Wie wäre es z.B., wenn im Herzen Ankaras ein Denkmal stünde, das an den Völkermord an den Armeniern erinnert? Die Türkei wird natürlich kein solches Mahnmal aufstellen, und Höcke hat dafür volles Verständnis, aber moralisch wäre es vielleicht nicht ganz unangebracht.

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  • Eileen
    2. Februar, 2019

    Was ist eigentlich schlimmer? Die Umarmung durch weibliche Bundestagsabgeordnete (Broder) oder die Verneigung am Grab eines Judenhassers (Steinmeier), fragt zu Recht Josef Hueber bei Vera Lengsfeld.

    Aber wie man auch hier sieht, es ist alles Heuchelei, Herr Broder wusste, was kam 🙂 und es wurde wieder einmal bestätigt.

    Lehrreich für jeden noch eigenständig denkenden Menschen.

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    • Helmut Neumeuer
      2. Februar, 2019

      Ich kann der letzten Lesermeinung voll zustimmen. Dass Bundespräsident Steinmeier in der Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz niederlegte und im Namen des Deutschen Volkes dort den Millionen Toten des Holocaust gedachte, verdient meine Hochachtung. Dass er am nächsten Tag am Grab des Terroristen Jassir Arafat, an dessen Händen das Blut von vielen Israelis klebte, einen Kranz niederlegte, dafür fehlt mir jedes Verständnis.
      Gute Reden am Holocaustgedenktag im Bundestag zu halten ist das Eine, aber an der Seite Israles im Kampf gegen Terror und Gewalt zu stehen, ist das Andere. Wenn die Bundeskanzlerin schon uneingeschränkte Solidarität Deutschlands gegenüber Israel zusagt, dann hätte Herr Steinmeier für die BRD auch erklären können, dass Jerusalem die ungeteilte Hauptstatt von Israel ist. Fehlanzeige! Da hat Herr Trump mehr Mut beweiesen.

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  • Libkon
    3. Februar, 2019

    «…ein erziehungsberechtigter Qualitätsjournalist… » Wie wahr und wie komisch zugleich. Hab`ich gelacht. Erstklassige Formulierung. Dabei hat Ihre Bezeichnung ganz genau den «wunden» Punkt getroffen. Erziehen ist das erklärte Ziel der Journaille im Sozialismus. Den haben wir doch schon bereits, oder?!

    Sie hätten zwar ein gewisses Talent zum Journalisten, Herr Wendt, wenn Sie denn ein Kwalitetsschurnalist hätten werden wollen, aber leider läßt zum Glück Ihre «Haltung» sehr zu wünschen übrig.

    Weiter so, sage ich.

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  • Henryk Chrusciel
    3. Februar, 2019

    «Allerdings bezeichnete nicht die Partei AfD das Holocaust-Mahnmal als Schande, sondern deren thüringischer Landesvorsitzende Björn Höcke…»
    Die Behauptung, Höcke habe das Mahnmal, also dessen Existenz, als Schande bezeichnet, ist falsch und beruht auf Fake News der dpa, die von den Medien ähnlich begeistert aufgenommen und geteilt wurden wie die
    böswillige Unterstellung, Akif Pirincci habe die Wiedererrichtung von Lagern für Andersdenkende gefordert.
    Höcke sprach von einem «Mahnmal der Schande». Neil MacGregor schrieb im Buch zu seiner Ausstellung «Deutschland. Erinnerungen einer Nation» er kenne ‘kein anderes Land, das in der Mitte seiner Hauptstadt ein Mahnmal der eigenen Schande errichtet hätte». MacGregors Äußerung wurde allerdings von niemandem beanstandet.

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    • Alexander Wendt
      2. Februar, 2019

      In dem Text heißt es deshalb, dass Höcke das Mahnmal als Mahnmal der Schande bezeichnete. Außerdem ist gleich danach ein Text zitiert, der deutlich macht, dass die Formulierung „Denkmal der Schande» – so, wie auch von McGregor verwendet – von mehreren in der Vergangenheit gebraucht wurde. Im Text ist auch nachzulesen, dass ich gerade diesen Satz Höckes nicht für den problematischen halte.
      Alexander Wendt

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  • Fantomas
    3. Februar, 2019

    Wieder ein sehr schöner Artikel mit noch schöneren Bildern, ach meine gutste «Scheiß-Deutschland»-Claudia! Die Rede von Broder war einfach, sorry, supergeil! Wie verlogen dagegen die Stellungnahme des ZEIT-Schreiberlings, der sich schämte. Dabei sind nicht viele Tage vergangen, da hat sich seine ZEIT-Redakteurin vor der Kanzlerin zutiefst verbeugt mit einem besonders schleimigen Artikel. Für solchen Journalismus muss man sich schämen, das war Absicht, das Bild Broder mit Weidel war nicht Absicht sondern rein zufällig.

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  • maru
    4. Februar, 2019

    OMG, wie peinlich ist doch der von Kampen.
    Dennoch hat Weidel Broder mit ihrer übergriffigen Umarmung einen Bärendienst erwiesen.

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  • Troll
    9. Februar, 2019

    Die „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ Björn Höckes besteht darin, daß er zweimal daran gehindert wurde, in Buchenwald der ermordeten Juden zu gedenken. Qualitätsjournalisten könnten Höcke ja einfach mal fragen, was er mit dieser Wende genau meint.

    Ich behaupte, daß er wohl kaum ein Ende ehrlichen Gedenkens möchte, sondern eine Neujustierung, die weniger in nationalen Masochismus ausartet.

    Höcke sprach übrigens von einem «Denkmal der Schande», wenn ich mich nicht irre. Das wird ihm nun immer wieder von Haltungsautisten vorgeworfen, deren sprachliche Kompetenzen ausbaufähig sind und die offenbar auch gar keine Lust haben, Höckes offizielle Erklärung im Internet zu lesen, die er dazumalen verfaßte.

    Ich bin nun gewiß kein Höcke-Fan, kann aber die Unschuldsvermutung auch nach rechts anwenden. Würde man einen x-beliebigen Juden Mitte oder Ende der 1930er Jahre fragen, ob er nicht lieber von der AfD mit Reichskanzler Björn Höcke regiert werden wollte, so würde dieser vermutlich flehentlich darum bitten, daß dies Realität werden möge.

    Es gibt doch nichts Schöneres, als von «Nazis» regiert zu werden. Wie irre ist unser Land eigentlich? Ich kann verstehen, daß man sich keine absolute Mehrheit für die AfD auf Bundesebene wünscht. Aber was heutzutage in diesem Land an Nazi-Hysterie abgeht, spottet wirklich jeder Beschreibung.

    Und dann wirklich diese billigsten pawlowschen Journalisten-Reflexe. Wie Hunde sind die auf die AfD abgerichtet. So wie einst die Springer-Presse über die Studenten und Dutschke schrieb, so schreibt heute die Relotius-Presse über die AfD und Pegida.

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Original: Vorsicht, seitliche Umarmung

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